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Leitartikel
07/24/2021

Corona-Impfung: Rechter oder linker Arm?

Alles wird in Österreich in ideologische Schubladen gesteckt. Diese Polarisierung ist nicht nur beim Thema Impfen brandgefährlich.

von Gert Korentschnig

Sind Sie geimpft? Allein die Frage ist eine Impertinenz (wie man zuletzt auch anhand der Reaktion des Wiener Ober-Blauen Dominik Nepp im KURIER-Interview sah; Anm.). Was man vielleicht fragen darf: Sind Sie ge-drei-g-t? Aber ja nichts mit Impfung. Könnte schwere unerwünschte Nebenwirkungen auslösen.

Die Corona-Impfung spaltet die Gesellschaft. Zunächst wollten alle sie haben, nicht nur die Bürgermeister, aber denen war man am meisten neidisch. Dann waren alle glücklich, sie zu kriegen, und das Internet wurde vollgespamt mit Fotos lachender Menschen, die einen Stich bekommen. Und als es genügend Stoff gab und man sich keine Gedanken mehr machte, ob die EU oder Kurz oder Anschober oder der für einen Tag berühmte Chefbeamte Fehler bei der Bestellung gemacht hätten, riss die Impfbegeisterung ab. Statt künstlicher Verknappung sollen neuerdings Partys dafür sorgen, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen. Auch die Impfbereitschaft ist offenbar, wie so vieles auf der Welt, abhängig von Angebot und Nachfrage.

All das dürfte aber nur das Vorspiel zur wirklichen gesellschaftlichen Spaltung gewesen sein, auf die wir sehenden Auges zurasen: auf der einen Seite die Geimpften, die keinerlei Verständnis dafür haben, dass man ihnen Restriktionen auferlegt, weil sich andere nicht impfen lassen; auf der anderen Seite die Nicht-Geimpften, die Geimpfte als Regierungsbüttel oder als Bill-Gates-Lemminge dissen. Na das wird was, wenn einmal die Einen dürfen, was den Anderen verboten ist.

Abgesehen von gesundheitlichen Problemen bei einer nicht ausreichend hohen Durchimpfungsrate: Diese Polarisierung ist besorgniserregend, obwohl wir ja seit Jahren mit Polarisierungen zu kämpfen haben. Mittlerweile gibt es kaum noch ein Thema, das nicht in einem Schwarz-Weiß-Denken, in einer Dichotomie und Beschränkung des Urteilsvermögens endet.

Straßenbau? Ein Fall für die ideologische Schublade. Migrationspolitik? Wen kümmern schon Fakten, solange es auf allen Seiten geschürte Vorurteile gibt. Wahrscheinlich lässt sich sogar ein Unwetter in Rechts oder Links einteilen, bei dessen Aufarbeitung greift diese Kategorisierung zweifellos. Was auch immer debattiert wird: Nur die Errichtung von Feindbildern festigt die eigene Position.

Und Social Media, das Megafon vieler davor Sprachloser, ist vordergründig der Inbegriff der Pfui-Rhetorik, unterm Strich aber nur ein Spiegel immanenter grausamer Gedanken.

Doch wie kann man aus diesen Schützengräben herauskommen? Vor allem mit Argumenten, etwa gegen die Ängste (womit wir wieder beim Impfen wären). Mit Hinterfragung eintrainierter Egoismen. Und mit einer Politik, die sich nicht nur nach Umfragen oder nach Social Media richtet.

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