Bullshit-Bingo

Es erleichtert den Umgang mit Menschen, die an Sprechdurchfall leiden.

Ab heute ist alles anders. Zumindest im Fernsehprogramm. Keine TV-Duelle und Elefantenrunden mehr, Bullshit-Bingo-Runden müssen sich eine neue Abendbeschäftigung suchen.

Wer nie mitgespielt hat: Jeder Spieler schreibt fünf Wörter auf, die er von den Slimfit-Männern erwartet und ruft Bingo, sobald all diese Wörter in die Kamera geplärrt wurden. Gut im Rennen lagen jene, die "Silberstein" und "Balkanroute" auf der Liste hatten. Das Spiel hat Sucht-Faktor. Wird angeblich auch gern in Meetings gespielt. Weil es den Umgang mit Menschen erleichtert, die für eine ungute Kombination aus unterirdischem IQ, überirdischem Selbstbewusstsein und ausgeprägtem Sprechdurchfall bekannt sind. Der Nachteil zum Abendprogramm: Man kann diese Menschen nicht einfach wegdrücken, wie die Kandidaten von "Bauer sucht Frau" oder "Deutschland sucht den Superstar". Obwohl ich mir da ja oft richtig schwer tue. Nicht nur wegen Dieter Bohlen, der ausschaut wie ein Camp-David-Werbeschild auf zwei Hax’n. Auch wegen der Kandidaten. Viele halten sich selbst im Wachzustand für eine Mischung aus George Clooney und Brad Pitt. Bis sie unter Bohlens Kritik verglühen wie ein Insekt im Strahl eines Flammenwerfers.

Die Formel "Je attraktiver, desto erfolgreicher" gilt nicht nur im Showbusiness, sondern auch im Normalo-Leben. Bei der Partner- und Jobsuche. In der österreichischen Politik ist es zudem derzeit von Vorteil, jung zu sein, ätzen Medien. So schreibt die Süddeutsche Zeitung etwas süffisant, dass in Österreich eine 19-jährige Erstsemestrige ins Parlament einziehen will, die "Freunde treffen, Sport und Jungschar" als Hobbys angibt.

Wer sicher gehen will, dass er nicht wegen seiner Schönheit und Jugendlichkeit eingestellt wird, sollte Philharmoniker werden. Bei Orchestern darf nicht jeder vor den Vorhang. Bewerber müssen ausnahmslos hinter dem Vorhang spielen. So kann die Auswahlkommission nicht von ihrer Schönheit geblendet werden. Oder von der Frage geplagt werden, ob eine Frau aufgenommen werden soll.

(kurier) Erstellt am
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