Meinung | Bodyblog
17.03.2018

Systema: Verteidigung auf russische Art

Wie die Leibgarde Stalins Angreifer fast kontaktlos außer Gefecht gesetzt hat - was das mit der Zahl 8 und der Atmung zu tun hat.

Ich muss automatisch an Mr. Spock von Raumschiff Enterprise denken: Eine Berührung und das Gegenüber liegt am Boden. Ähnliche Effekte werden der russischen Kampfsportart Systema nachgesagt, die sich erst seit dem Fall des Eisernen Vorhangs in der westlichen Welt verbreitet hat. Im Internet kursieren etliche Videos, in denen stämmige Kerle ihr Gegenüber mit wenigen Handgriffen zu Fall bringen. "Dahinter steht keine Technik, wir befolgen Grundprinzipien", erklären mir Alex Markowitsch und Juray Kusy, die in Wien Systema unterrichten (www.mars.training) – am liebsten in Alltagskleidung und in der freien Natur. "Wenn man auf der Straße angegriffen wird, hat man auch Jacke und Alltagskleidung an." Klingt plausibel.

Schon die Aufwärmübungen sind anders – immer wieder zeichnen wir mit den Armen, den Beinen oder dem Rumpf eine Acht, viele Bewegungen bezeichnet Alex als "russisches Yoga". Atmung ist dabei ein essenzieller Bestandteil – stockt in einer Angriffssituation der Atem, erstarrt der Körper und ist leicht verwundbar. Daher zielen viele Übungen auf gleichmäßige Atmung und stabile Körperhaltung hab, um die Flexibilität und Reaktionsfähigkeit zu erhöhen.

Ich kann es schon nicht erwarten, coole Abwehrgriffe zu lernen, aber so funktioniert Systema nicht. Juray übt mit mir verschiedene Angriffe – in Zeitlupe – und will, dass ich ein Gefühl dafür bekomme wie ich reagieren kann, um aus der Situation rauszukommen.

Hier kommt die Acht wieder ins Spiel: Immer wieder ist es eine scheinbar zufällige, fließende Achter-Bewegung, mit der die Gefahr gebannt wird. Auffällig ist, wie wenig Kraft ich dafür aufwenden muss, um mich aus der Klemme zu befreien oder mein Gegenüber zu Fall zu bringen.

Das hätte Mr. Spock sicher auch gefallen.

Fazit:

Für gemäßigte Kampfsportler und alle, die sich verteidigen wollen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Ein Training, das vor allem Geist und Selbstvertrauen schult, um in Notsituationen nicht die Nerven zu verlieren.

Schweiß:

Effekt: