Die Sexkolumne im Weblog: TABUZONE

Sextoys boomen – sie gelten als Basisausstattung moderner Paare. Aber, verdammt nochmal: Wo tut man sie nur hin, wenn das Spiel zu Ende ist?

Finden soll sie nämlich keiner – die Putzfrau nicht und schon gar nicht die lieben Kinder.

Listen und Rankings sind extrem beliebt bei den Menschen. Sie gaukeln so etwas wie Orientierung vor - als vermeintlicher Halt im Überfluss der "Must Haves" und "To Do's". Selbstverständlich existieren auch zum Thema "Sex" jede Menge solcher seltsamer Rankings. Wir lernen da zum Beispiel, dass die Missionarsstellung nicht auf Platz 1 der "Fünf heißesten Liebespositionen" rangiert und erfahren, dass es immerhin 25 beste Wege gibt, seinen Penis liebkosend in Pole Position zu bringen. Erst vor Kurzem entdeckte ich die Liste "10 Sex-Produkte, ohne die Sie nicht mehr leben können." Darin fand sich u.a. ein Döschen mit "Klitoris-Tinte" - lila Farbe, mit deren Hilfe sich Frauen ihr Geschlecht so umfärben können, dass es "ganz natürlich" erscheint. Nach dieser Lektüre begann ich über die "10 schönsten Friedhöfe Wiens" nachzudenken, weil ich bitter feststellen musste, dass kein einziger der genannten Artikel in meinem Sextoy-Fundus zu finden ist. Bedauerlicherweise auch nicht besagte "Mumu-Tinte". Statt mich aber in der Sekunde zu entleiben, siegte meine Lebenslust. Und ich dachte, nojo, was nicht ist, kann ja eventuell noch werden. Es ließe sich ja damit auch erst einmal nur einen Einkaufszettel schreiben, bevor man in medias res pinselt. Aber eigentlich will ich auf etwas ganz anderes hinaus. Wer heutzutage der Kategorie "modernes Paar" angehört, hat das eine oder andere Sex-Spielzeug daheim. Was durchaus befruchtend sein kann - vorausgesetzt man findet das geeignete Versteck dafür. Das muss einfach dicht sein, da soll keiner ran können. Dazu fällt mir die Geschichte von der Lea und dem Gusti ein. Die Lea mag Vibratoren, der Gusti schaut dem heiteren Surren und Schnurren gerne zu, außerdem murkst er an Festtagen gerne mit geiler Wäsch' und puffigen Handschellen herum. Doch dann kam Dragana. Die putzige Perle geriet, auf der Suche nach neuer Bettwäsche, ins (schleißige) Sextoy-Versteck der Gustis. Mit dem dunkelroten Vibrator in schwieligen Händen enterte sie das Homeoffice des Hausherrn und fragte, ob sie das Ding nicht ins Abstellkammerl zu den anderen Putzutensilien tun solle. "Kleiner Handstaubsauger passt gut zu großem Sauger." Ordnung muss sein. Peinlich, eher. Und dann die Kinder! Die sind neugierig, nichts ist vor ihnen sicher. Nicht einmal das Schlafzimmer. Bis zu einem gewissen Alter schlucken die Kleinen ja noch jedes Märchen. Das puffrote Peitscherl lässt sich als lustiges Faschingsutensil verkaufen: "Die gehört der Mama. Die ist einmal als gaaaanz böse Hexe gegangen. Und die Handschellen sind vom Papa, der war beim Gschnas ein strenger Polizist." Doch einer 13-Jährigen "Mothers little Helper" als Pürierstab von Alessi anzudrehen - da wird's eng, da kommen Erwachsene in die Bredouille. Andererseits wäre es auch völlig unmöglich zu sagen, "So Kind, Tag der Wahrheit. Mit dem Ding tut's deine Mutter, wenn sie verspannt und geil ist und der Papa keine Zeit hat." Ich gebe bekanntlich ungern Ratschläge. Aber heute ist es so weit: Verräumen Sie das Zeugs, so gut Sie nur können. Auch auf die Gefahr hin, dass Sie es dann selbst nicht mehr finden.

Erstellt am 05.12.2011