Die Sexkolumne im Blog: WAHR WOHL NIX?!

Manchmal kommt es im Leben leider so: Man tut und macht und turnt – aber von Orgasmus keine Rede. Was tut die Frau in diesem Fall? Als ob. Was tut der Mann? Erstaunlicherweise dasselbe.

Schlafzimmerblick, bitteschön: Die Expertise zum heimischen Sexualverhaltens fällt keineswegs wellnessmäßig entspannt aus. Großes, verkrampftes Gerangel, mitunter. Wirklich auffällig ist nämlich, dass immer mehr Menschen den Koitus als Hochleistungs-Showdown verstehen. Pam. Pam. Pam. Da geht's um Bestnoten, ums Funktionieren, um Leistung. Der Orgasmus, zum Beispiel, ist so eine. Das Accessoire des Augenblicks hat zumindest ultimativ, wenn schon nicht mega zu sein . Für den geben wir alles und mehr. Nur einen zu haben, reicht nicht. Heutzutage muss der, um als Gipfelsieg gefeiert werden zu können, schon maximal oft, intensiv und dann auch noch verlässlich daherkommen. So steht's zumindest in vielen Lifestyle-Magazinen - dazu gibt es auch gleich alle Handgriffe, Geräte und Tricks, die dem "Unternehmen Höhepunkt" Flügel verleihen sollen. Und wer beim Kommen nicht mindestens so röhrt wie ein professioneller Pornodarsteller, ist gnadenlos ödes Mittelmaß. Um all dem zu entsprechen, flunkert der Verkehrsteilnehmer und tut, als ob. Höhepunkte - das weiß jeder - sind oft einmal nicht das, was sie zu sein scheinen, sondern oscarreife Darstellungskunst. Vor allem Frauen flunkern gerne. Das ist hinlänglich bekannt - aber die Herren sind erstaunlicherweise auch nicht gerade üble Schauspieler. In der November-Ausgabe des "Journal of Sex Research" wird nun eine Studie beschrieben, wonach 25 Prozent aller befragten Männer und 50 Prozent der Frauen zugaben, ein Lustfinale inszeniert zu haben - nur um das Treiben (scheinbar von "Erfolg" gekrönt) möglichst rasch zu beenden. Die Motivation beider Geschlechter ist ähnlich: Man würde gerne mit dem Reinraus aufhören, aber den Partner nicht enttäuschen. Also zieht man das Scheingeschäft durch. Mich hat das ein bissel verwirrt. Dass das bei Damen immer wieder mal vorkommt, scheint mit der (komplizierten) Natur der Sache zu tun zu haben. Aber Männer, hä? Wenn die mal wo drin stecken, gibt's normalerweise kein Raunzen. Haben die es wirklich notwendig, zu spielen? Und weshalb? Also habe ich meine Facebook-Freunde zum Thema befragt und innerhalb von 30 Minuten 60 Kommentare und Antworten geerntet. Während der liebe T mutmaßte, mit Hilfe des Fake-Höhepunkts sei es halt möglich, vorzugaukeln, dass "es" eh gut war, schrieb der erfahrene G indigniert: "Bitte, was soll das - man hat den Orgasmus doch für sich und nicht für den anderen, oder?" Fazit: So richtig verstehen kann das keiner. Ich auch nicht. Abgesehen davon, wie das jetzt genau gehen soll. Okay, ein leeres Kondom ist flugs entsorgt - aber sonst fehlt dann wohl das Beweismittel. Wie auch immer: Simulieren ist blöd - das gilt für Frau und Mann. Nach "Drehbuch" - Happy End zwingend - zu vögeln, erzeugt Druck, den echt keiner braucht. Da geht's erst wieder nur um das Optimum, den richtigen Zeitpunkt und um Normen. Nun: Wenn das Ergebnis des Herumturnens zuweilen ausfällt und genau nix passiert - na und? Shit happens. Buddhistisch lose interpretiert: Was kommt, das kommt und was net kommt, kommt net. Klingt nach einem lässigen Deal.

Erstellt am 05.12.2011