Warum gehen schwer fällt

Nach neun Jahren habe ich meinen alten Job an den Nagel gehängt. Die Entscheidung zu gehen, fiel nicht schwer. Tatsächlich Abschied zu nehmen hingegen sehr.

Den ganzen letzten Arbeitstag über war ich tapfer - keine Tränen, keine nostalgische Romantisierung der vergangenen neun Jahre. Dann versammelte sich das Team, um mich mit Champagner zu verabschieden und es war vorbei. Selbst bei "Hallo wie gehts" schossen mir die Tränen in die Augen, gefolgt von hilflosem Schulterzucken und einem verhaltenen Lächeln - weil mir dieses ständige Heulen selbst ein Rätsel ist. Und es ja auch keinen Grund gibt, oder doch?

Immerhin habe ich in vollem Bewusstsein und unheimlich glücklich einen neuen Karriereweg eingeschlagen und die neue Herausforderung angenommen. Aber ein Neuanfang braucht eben immer einen Abschied. Und es ist nicht der Abschied vom Job an sich, der mich wehmütig macht. Sondern der Abschied von einem Lebensabschnitt, von den Kollegen, vom "Rundherum". Und das wird angeblich mit dem Alter immer schlimmer! Nein, danke. Da bleib ich in Zukunft lieber, wo ich bin und beweg mich nicht weg aus meinem Sicherheitskäfig.

Das ganze hat nur einen Haken: Wenn man nicht rausgeht und sich ausprobiert, wird man nie erfahren, welche Möglichkeiten es gibt und welches Potential in einem steckt. Ich weiß, wo ich in Zukunft sein werde: Woanders als ich jetzt bin, denn Stagnation ist mir nicht symphatisch.

Aber für heute trage ich schwarz, aus Sentimentalität - denn ein Abschied gehört gelebt.

(kurier) Erstellt am
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