Balance-Akt

Kein Ausweg aus der 60-Stunden-Woche.

Auf einen schnellen Kaffee mit meiner Freundin R. Ein seltenes Vergnügen, denn meine Freundin R. arbeitet von früh bis spät. Als Konzipientin in einer Anwaltskanzlei hat sie auch alle Hände voll zu tun. R. hetzt von Termin zu Termin, von Verhandlung zu Verhandlung, erledigt nebenbei Sekretariatstätigkeiten, während sich die Akten auf dem Schreibtisch stapeln und ihre Nerven langsam blank liegen. Eine 60-Stunden-Woche ist nicht selten, davon erzählen auch R.s Augenringe.

"Work-Life-Balance" - so nennt man das, was R. fehlt. Übrigens auch ihrem Chef. Eine Ausgewogenheit zwischen Arbeit und dem Leben, die Seele und Geist in Einklang hält. Wird von Unternehmensberatern stark propagiert, nutzt sie doch auch den Unternehmen. In Form von flexiblen Arbeitszeit-Modellen, zum Beispiel. Das Ergebnis sind motiviertere Mitarbeiter, weniger Fluktuation und höhere Produktivität.
R. zuckt ratlos die Schultern. "Ich muss zur Arbeit", murmelt sie, trinkt hastig ihren Kaffee aus und geht.

(kurier) Erstellt am
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