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09/26/2012

Schulträume

Die Diskussionen um die Zukunft der Bildung kommen und gehen. Aber die einzige Konstante ist der Stillstand. Zeit für Phantasien.

von Michael Hufnagl

Ich träume von einer Schule, die erst um 9 Uhr beginnt.

Ich träume von einer Schule, in der mehr Lehrer mit weniger Kindern arbeiten dürfen.

Ich träume von einer Schule, in der im Sinne der Moderne ein verantwortungsvoller und gefahrloser Umgang mit Social-Media-Netzwerken im Lehrplan mehr Gewicht hat als die Entstehung von Löss, der Knochenaufbau von namibischen Antilopen oder die Eroberung Babylons durch die Hethiter.

Ich träume von einer Schule, in der Ethikunterricht nicht als Alternative zum Religionsunterricht, sondern als Pflichtfach stattfindet.

Ich träume von einer Schule, in der das prozentuelle Verhältnis von gelehrter politischer Vergangenheit zu politischer Gegenwart nicht 99:1 ist.

Ich träume von einer Schule, in der individuelle Begabungen erkannt und mit hohen Leistungsstandards entsprechend gefördert werden.

Ich träume von einer Schule, in der Kinder nicht drei Viertel ihrer Arbeitszeit dafür verwenden, ihre Schwächen korrigieren zu müssen statt sie in ihre Stärken investieren zu dürfen.

Ich träume von einer Schule mit einer täglichen Turnstunde.

Reale Lebenswelten

Ich träume von einer Schule, in der ein blockierendes "Das war immer so" durch ein zeitgemäßes "So wird es werden" ersetzt wird.

Ich träume von einer Schule, in der nicht jede (noch so konstruktive) Kritik an Lehrerinnen und Lehrern aggressives Selbstmitleid der selben zur Folge hat.

Ich träume von einer Schule, in der Eltern die Lehrerschaft nicht unermüdlich pauschal im Privilegien-Reich ansiedelt.

Ich träume von einer Schule, in der nicht Fritz Neugebauer als Gottseibeiuns Absolutionen erteilt oder verweigert.

Ich träume von einer Schule, die aufhört, durchschnittliche Einheitsmaturanten zu produzieren.

Ich träume von einer Schule, die sich an realen Lebenswelten und nicht an historischen Prinzipien orientiert.

Ich träume von einer Schule, in der lehrplanmäßig das soziale Miteinander angemessene Bedeutung bekommt - Partnerschaft, Konfliktbewältigung, Trauerarbeit, usw. Denn für das Leben lernen wir, oder?

Ich träume von einer Schule, die so budgetiert und finanziert wird, dass Bildungspolitik mehr ist als ein lästiges Schlagwort.

Ich träume von einer Schule, die sich endlich verändert.

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