Längst Luxus in Griechenland: Speisen in einer Taverne - hier im Hafen von Piräus

© Uwe Mauch

über Depression in Athen
05/25/2016

Griechische Tragödie in fünf Bildern

von Uwe Mauch

Die griechische Hauptstadt wirkt so, als wäre sie nach dem Erlöschen des olympischen Feuers erstarrt.

Mag. Uwe Mauch | über Depression in Athen

Blog Nr. 1124: Der alte Mann, der am Nebentisch speist, ist der pensionierte Wirt der kleinen Taverne im Hafen von Piräus. Die Mehrzahl seiner Landsleute kann sich den Besuch seiner Taverne nicht mehr leisten. Wenn die Griechen heute außer Haus essen, dann vor allem bei öffentlichen Armenausspeisungen. Wer in diesen Tagen durch Athen geht, merkt schnell: Die griechische Finanztragödie hat mehr als nur ein Gesicht. Sie hat längst auch große Teile des Mittelstands in die Tiefe gerissen.

Rostige Flügel und keine Hoffnung

Die griechische Hauptstadt wirkt so, als wäre sie nach dem Erlöschen des olympischen Feuers am 29. August 2004 erstarrt: Es wird wenig Neues geschaffen. Viele Geschäfte haben für immer geschlossen. Auf dem alten Flughafen im Süden, in Ellinikon, stehen drei Oldtimer der Olympic Airlines. Ihre Flügel sind rostig; rundum wächst Gras. Und nirgendwo am Horizont ein Hoffnungsstreif. Ich erinnere mich an ein Athen mit mehr Lebensfreude. Mein letzter Besuch ist allerdings auch schon ein paar Jahre her.

Traurige Blicke und hängende Schultern

Das tägliche Rennen ums eigene finanzielle Überleben ist vielen Menschen ins Gesicht geschrieben. Ihr Blick ist traurig, der Kopf hängend, der Schritt verlangsamt. Durch jede Metro schleichen Armutsgestalten, die Kugelschreiber und Feuerzeuge offerieren. Es sagt sich leicht, dass die Griechen jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt haben, vor allem dann, wenn man in Österreich genügend zum Leben hat. Hand aufs Herz, ich möchte mit den Kugelschreiber- und Feuerzeugverkäufern nicht tauschen.

Wo sogar die Puppen verbluten

Besuch des Flüchtlingslagers in Piräus, dort, wo der Hafen nicht mehr hässlicher werden kann. „Sie kennen keine Regeln“, erklärt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter vom griechischen Roten Kreuz, um schnell hinzuzufügen: „Aber das ist nicht verwunderlich.“ Dann erzählt er von drei syrischen Schwestern, die mitansehen mussten, wie ihre Mutter erschossen wurde. „Ihr Vater sitzt apathisch in seinem Zelt und will sich nicht mehr um seine Kinder kümmern.“ Die Kinder brauchen dringend psychologische Hilfe.

Eine Wohltat für die Rotkreuzhelfer

Echte Helden und Heldinnen sind für mich die freiwilligen Helfer vom griechischen Roten Kreuz. Viele haben selbst nicht ausreichend zum Leben. Dennoch lassen sie es sich nicht nehmen, regelmäßig in den Flüchtlingscamps Athens vorbei zu schauen und jenen, die noch viel weniger haben, zu helfen. Der Besuch der Clowns mit denRoten Nasen, die ich in der Vorwoche zwei Tage lang begleiten durfte, ist für sie eine Wohltat. Sie können ihnen wenigstens für kurze Zeit ein Lächeln in ihr Gesicht zaubern.

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