Erich v. Kielmansegg: visionär, verkannt

Gefunden: Kielmannsegg in der Stadtbibliothek © Bild: Uwe Mauch

Er hatte als Beamter eine starke Empfindlichkeit für moderne Reformen.

Mag. Uwe Mauch | über Erich Graf von Kielmansegg

Blog Nr. 2014: Wer war der Graf, der die Großgemeinde Floridsdorf im ausgehenden 19. Jahrhundert zur Landeshauptstadt von Niederösterreich umfunktionieren wollte? In der wunderbaren Stadt- und Landesbibliothek im Wiener Rathaus fand ich zu Erich Graf von Kielmansegg einige interessante Belege. Er wurde am 13. Februar 1847 als Sohn einer Adelsfamilie in Hannover geboren und nach seinen juridischen Studien in Heidelberg und Wien am 16. Mai 1870 zur Konzeptpraxis bei der Niederösterreichischen Statthalterei zugelassen. Als nö. Beamter und kurzfristig auch als k. k. Minister gelang ihm eine schöne Karriere.

Von Niedersachsen nach Niederösterreich

Erich Graf von Kielmansegg hatte als Beamter für Wien und Niederösterreich "eine starke Empfindlichkeit für moderne Reformen". Doch so wie bei der Hauptstadt-Idee holte man ihn in Wien schnell auf den Boden der hiesigen Realität zurück. Der Deutsche, der für seinen "eisernen Fleiß", aber auch für seine "süddeutsche Liebenswürdigkeit" gelobt wurde, eckte bei den Mächtigen im Land schnell an, wie man aus einem biografischen Text herauslesen kann: „Und da war es nicht nur Kielmanseggs Abstammung aus einem hannoverschen Adelsgeschlecht, die ihm zum Vorwurf gemacht wurde, sondern auch der Umstand, dass er evangelischer Konfession war und auch die Universität gegen den Ansturm der Christlich-Sozialen im Landtage in Schutz nahm.“ Die ständigen Anfeindungen und die Brutalität des Ersten Weltkriegs haben aus dem liberal denkenden Beamten am Ende seines Lebens mit der Sozialdemokratie sympathisieren lassen. Wenige Tage vor seinem Tod im Februar 1923 erschien ein von ihm verfasster Aufsatz in der „Arbeiterzeitung“.

( kurier.at ) Erstellt am 14.02.2018