Und ewig währt die Gelddebatte

Almosen? Subventionen? Am freien Markt? Die Künstler suchen Einnahmequellen. © Bild: AP

Die Piraten luden zur Diskussion über die Zukunft der Künstlerentlohnung - und verblüfften durch das Fehlen jeglicher Sachkenntnis.

Die Interessensvertreter hinken permanent der Zeit nach.

Georg Leyrer | über die Frage, wovon Künstler leben sollen.

Der erhellende Satz des Abends kam vom Schauspieler und Interessensvertreter Gernot Plass (das TAG, IG freie Theater): Leute, die - wie er selbst - in der Kreisky-Ära der 1970er und '80er Jahre groß geworden seien, hätten lange zu Recht angenommen, von künstlerischer oder auch geisteswissenschaftlich-intellektueller Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, erklärte er. Aber: "In den 1990ern stießen diese Lebensentwürfe auf den neoliberalen Smog." - Und jetzt, 2013? Am Mittwochabend saß Plass mit einigen anderen "üblichen Verdächtigen" der Interessensvertreter-Szene wie Gerhard Ruiss (der Chef der IG Autoren nahm zu der Gelegenheit gleich den "Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für Internetfreie Minuten" entgegen) und Peter Paul Skrepek (er war nach den seligen Kreisky-Jahren immerhin Gitarrrist bei Falco und, äh, David Hasselhoff) in einer Diskussionsrunde zum Thema "Wovon sollen Künstler ihr Einkommen beziehen?". Die Debatte zu diesem Thema dreht sich seit Jahren so sehr im Kreis, dass es selbst geduldigen Beobachtern (ich zähle mich dazu) den Nerv zieht.

Kleinkrämerei

Plass' Aussage katapultierte die Diskussion nur für einen Moment lang aus der Kleinkrämerei um Tantiemen, Sozialversicherungszuschüsse und Festplattenabgaben heraus. Damit erinnerte er daran, dass die "Künstlerfreundlichkeit" einer Gesellschaft stets auch ein Zeitgeist-Phänomen ist. In die Logik klassischer Erwerbstätigkeit hat sich Kunst nämlich nie eingefügt, egal ob das herrschende System nun ein feudales, sozialdemokratisches oder neoliberales war. Und doch konnten Menschen, die ihr Leben anders als im Erwerbssystem verbringen wollten, in diesen Systemen bestehen: Hier unterscheiden sich Künstler nicht so sehr von anderen "kontemplativen" Berufsgruppen wie Mönchen oder Yoga-Gurus, die in ihrer jeweiligen Gesellschaft auch hohes Ansehen genießen.

Das Problem heute ist nur, dass sich der Zeitgeist so schnell ändert: Während sich frühere Zeitalter nur sehr langsam von ihren Kunst-Unterstützungssystemen (wie etwa Kirche, Hof, bürgerliche Privatsammler) verabschiedeten, hat der Wind des Zeitgeists seit den 1970ern schon mehrmals gedreht. Auch der von Plass angesprochene "neoliberale Smog" - samt seinem Glauben an privates Kunstsponsoring und die Macht des Markts - ist seit 2008 vielleicht nicht weggeblasen, aber im Angesicht der Finanzkrise doch deutlich lichter geworden.

Therapie

Die an der Kreisky-Ära geschulten Interessensvertreter hinken daher permanent der Zeit nach. Zeitgeist-Fackelträger wie die Mitglieder der österreichischen Piratenpartei haben allerdings auch keine Antworten: Sie hatten die Diskussion am Mittwoch ausgerufen und verblüfften dort durch das Fehlen jeglicher Sachkenntnis. Ein Mitdiskutant - ein Schauspieler, der den Brotberuf eines Therapeuten ergriffen hatte - meinte allen Ernstes, Künstler sollten doch ihr Heil in sozialen Berufen wie eben der Therapie versuchen. Das wäre in etwa so, als würde man von einem Chirurgen verlangen, am Bau arbeiten zu gehen und nach Dienstschluss hochkomplizierte Operationen zu vollführen.

Erstellt am 07.03.2013