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29.10.2018

Wenig zu lachen in Österreichs Schulen?

Kommentar rund um die Studie Humor und Lachen im Unterricht.

Vor wenigen Tagen (23. Oktober 2018) wurde in Wien eine Studie „Lernen und Lachen“ vorgestellt. Aus Dutzenden Untersuchungen und Studien zum Thema, wieweit und inwiefern Humor im Unterricht Lernen beflügeln kann, wurde unter anderem herausgefiltert, dass es hilfreich und förderlich wäre, wenn zumindest drei bis vier Mal in einer Schulstunde gelacht würde.

Nachdem die Studie nur deutsche Beispiele nennt, dass Humor mittlerweile auch Eingang in die Ausbildung von Pädagog_innen gefunden hat, wollte der Kinder-KURIER wissen, wie schaut’s dazu in Österreich aus.

Gar nicht...

Aus dem Bildungsministerium kam tags darauf die knappe Antwort: „Eine eigene Ausbildung oder Schulung dazu gibt es nicht, aber natürlich spielen Humor und das Herstellen einer angenehmen Lernumgebung eine wichtige Rolle bei der Ausbildung.“

... oder doch ein bisschen ;)

Eine Woche nach der ersten Anfrage wurde uns Anfang dieser Woche aus der Pädagogischen Hochschule Wien eine konkretere Antwort übermittelt: „Zusammenfassend: Vorab kann die Frage mit „Ja“ beantwortet werden. Nicht nur an der PH Wien, sondern auch an anderen PHs in Österreich, also mal bundesweit gedacht. So erhalten z.B. die Studierenden der Freizeitpädagogik an der PH Wien (z. B. bei Persönlichkeit und Kommunikation) bei bestimmten Vortragenden einen „Seminarblock“ über PROvokative Intervention (Gewaltprävention) ... wo der (nicht spontane) Humor Leitstrategie ist, obwohl nicht im Titel …“

Weiters fänden sich mit der Stichwortsuche Humor/ Freude/ Spaß Fortbildungsseminare an Pädagogischen Hochschulen, und zwar für Berufs- und berufsbildende mittlere und höhere Schulen:
Steiermark (von 243 Seminar-Angeboten): 1/3/5
Wien (von 130 Seminar-Angeboten): 2/0/1

Apropos Lernen und Lachen

Dass nun wieder schon aber der 2. Klasse Volksschule Ziffernnoten eingeführt werden sollen ist nicht nur das Gegenteil davon, Freude am Lernen zu fördern, sondern deute auf den alten Spruch hin, dass mit der Schule „der Ernst des Lebens“ zu beginnen habe.

Und er hat auch genau gar nichts mit Leistung(sbereitschaft) zu tun. Schon vor vielen Jahren kam der damalige Universitätsprofessor Rupert Vierlinger, der jahrzehntelang an verschiedenen Hochschulen zum Thema Leistungsbeurteilungen geforscht hatte, nicht zuletzt aufgrund empirischer Untersuchungen drauf, dass selbst ein und die selbe Mathe-Schularbeit verschieden benotet wurde. Zusammenfassend stellte er in einem Beitrag für „erziehung heute“ fest: „Die Schüler werden nicht ermuntert, um der Sache willen zu lernen, sondern um der Note willen. Außerdem erfüllt die ständige Sorge um den Rangplatz den Schüler mit Angst, die zu psychosomatischen Störungen und im Extremfall sogar zum Selbstmord führen kann. Darüber hinaus lässt die für die Notenfindung unabdingbare ständige Beobachtung die forschende Grundhaltung verkümmern.“ Daraus schlussfolgerte er pointiert, Ziffernnoten sind „feindliche Agenten im Reich des Lernens“.

Viele Schuljahre ohne Ziffernnoten

Dass Schülerinnen und Schüler auch eher an der Sache zu interessieren sind und sehr wohl ohne Ziffernnoten lernen, beweisen nicht nur Nischen wie Alternativ-, Montessori- oder Waldorfschulen.

In Schweden, wo es wie in anderen nordischen Ländern in den ersten acht Schuljahren keine Ziffernnoten gibt, zeigten Kids dem Kinder-KURIER stolz ihr „portfölje“, in das sie selbstständig ihre Lernziele und die erreichten Fortschritte auf dem Weg dorthin eintragen. Eltern oder auch später Arbeitgeber finden in diesen auch die eine oder andere Arbeit – ob Aufsätze, Rechnungen oder Zeichnungen. Und können sich so viel leichter ein wirkliches Bild davon machen, was die- oder derjenige zuwege bringt, wo Stärken, aber auch Schwächen liegen.

Und im Jänner dieses Kalenderjahres startete die Integrative Lernwerkstatt Brigittenau (ILB, Wien) unter #lernegerne Beispiele zu sammeln, wo Menschen – egal ob Kind oder schon lange erwachsen – und was in ihrem Leben gelernt haben oder lernen ohne je dafür an eine Ziffernnote gedacht zu haben.

Und zu lachen haben sie dabei sicher auch mehr!

#lernegerne

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