Cornelia Daniel-Gruber setzt sich intensiv mit dem Zukunftsthema Solarenergie auseinander.

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06/11/2015

Vier Fragen an Solar-Expertin Daniel

In München läuft derzeit die weltgrößte Solarenergie-Messe, Photovoltaik-Expertin Cornelia Daniel-Gruber ist vor Ort und spricht über Recycling von Paneelen und Bürgerbeteiligungsmodelle.

Keine Abgaben für selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom, fordert Solar-Expertin Daniel

Mag. Stefan Hofer | zur weltgrößten Solarmesse

Bei der Hitze in diesen Tagen drängt sich ein Blogthema auf: Solarenergie. Als Mieter habe ich wenig Spielraum - weder Hausdach noch Garten, wo ich Photovoltaik-Paneele installieren könnte - und daher meine Solaranlage "ausgelagert", sprich in ein Bürgersolarkraftwerk der Wien Energie investiert. Wer das System nicht kennt: Der Bürger beteiligt sich mit dem Kauf eines Paneels und profitiert von der Vergütung, die jährlich ausbezahlt wird (Mehr dazu auf der Website www.buergerkraftwerke.at). Nach dem Motto: Ja zu Erneuerbaren Energien - und hoffentlich sehe ich mein Geld auch irgendwann wieder...

Dieser Tage findet in München die "Intersolar", die weltweltgrößte Messe für Solarenergie, statt. Die österreichische Energie-Bloggerin und Photovoltaik-Expertin Cornelia Daniel-Gruber ist vor Ort.

4 Fragen an Cornelia Daniel...

Wien Energie hat den Photovoltaik-Ausbau massiv vorangetrieben. Bereits 19 Bürgersolarkraftwerke mit über 25.000 Paneelen sind in Betrieb. Das jüngste über Bürgerbeteiligung finanzierte Kraftwerk war innerhalb von Minuten ausverkauft. Finden Sie den - neuen und niedrigeren - Zinssatz in Höhe von 2,25 Prozent gerechtfertigt? Und: Bekomme ich als Anleger mein Geld sicher zurück?

Daniel-Gruber: Ob das "gerechtfertigt" ist, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne die Zahlen nicht im Detail, aber Fakt ist, dass die Wien Energie vermutlich auch andere, vielleicht günstigere Möglichkeiten hätte um das Fremdkapital für die Anlagen zu beschaffen. Ich finde es gut, dass sich hier die Bürger beteiligen können und schließlich gibt es genug andere Bürgerbeteiligungsprojekte, bei der es etwas mehr gibt. Ich gehe natürlich davon aus, dass die Wien Energie in der Lage ist, ihre Verträge einzuhalten.

Laut SolarPowerEurope könnte sich die weltweite Kapazität im Bereich Solarenergie innerhalb von fünf Jahren verdreifachen (siehe Tweet unten). Noch liegt Europa vorne, doch China und die USA holen massiv auf. Ihr Wunsch an die EU-Politiker?

Daniel-Gruber: Der Weltmarkt zieht gewaltig an. Netzparität ist in vielen Ländern erreicht. Das bedeutet, dass Solarstrom gleich teuer oder billiger ist, als jener vom Netz. Europa steht leider gerade noch gewaltig auf der Bremse. In der Studie der Agora Energiewende wurde ganz deutlich gesagt, was es jetzt braucht: Günstige Kredite für Erneuerbare und gute Rahmenbedingungen für den Eigenverbrauch von PV-Strom. Gerade hier sieht man, wie sehr die alte Energiewirtschaft noch ihre Macht ausspielt und alles nur mögliche tut, um Eigenverbrauch und Direktvermarktung schwerer zu machen, als es sein müsste. Mein Wunsch an die EU-Politiker: Keine Abgaben für selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom, sondern im Gegenteil Unternehmen und Menschen dafür belohnen, wenn sie sich einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen. Und was schon längst überfällig ist: Auch die externen Kosten der fossilen Energieerzeugung einpreisen. Bei Kostenwahrheit gewinnt die Sonne immer, aber langfristig geht ohnehin kein Weg dran vorbei. Es geht nur mehr darum, wann wir uns entscheiden wirklich intensiv in diese Richtung zu gehen. Österreich fehlt dazu zum Beispiel die entsprechende Energiestrategie.

Was passiert mit Paneelen nach Ablauf ihrer Lebensdauer? Im Frühjahr diskutierten internationale Experten bei einem Workshop in Wien über Umweltverträglichkeit und Wiederverwertung. Das Recycling von Solaranlagen sei ungelöst, hieß es.

Daniel-Gruber: Ich habe mich über den Artikel von damals wirklich geärgert. Diese Aussage ist schlichtweg falsch, wenn sie aus dem Kontext gerissen kommuniziert wird. Das ist fast so als würde man sagen, dass Recycling von Plastikflaschen ist ungelöst, weil nicht alle Plastikflaschen wieder zu Plastikflaschen werden. Ein Solarmodul besteht zum Großteil aus Sand (Glas und Silizium), Aluminium und Kunststoff. Was genau soll da nicht recyclebar sein? Alles was aus der Anlage wiederverwertet werden kann, wird wiederverwertet. Es gibt keine giftigen Stoffe bei kristallinen Modulen (über 90 Prozent Marktanteil), was auch oft propagiert wird. Das einzige "Problem" ist, dass es noch nicht genug kaputte und alte Module gibt, weil die einfach zu lange halten. Eike Weber vom Fraunhofer Institut geht mittlerweile von bis zu 35 Jahren aus und die große Masse wurde erst nach 2007 errichtet. Deshalb lohnt es sich noch nicht die Verfahren anzuwenden, bei dem die Zellen, wieder zu Zellen gemacht werden. Die Verfahren sind fertig und sobald genug altes Material da ist, wird sich PV-Cycle, das ist der Verband, bei dem viele Modulhersteller Mitglied sind, um das Recycling kümmern. Bis dahin werden einige alte Module eben dem allgemeinen Abfallkreislauf zugeführt. Der Wert der Rohstoffe übersteigt in jedem Fall die Kosten für die Abmontage, womit wir bei einem weiteren unglaublichen Vorteil dieser Energiequelle sind. Die Dekommissionierung von Atomkraftwerken kostet zum Beispiel mehrere Milliarden. Ein Windrad oder Solarkraftwerk ist in kürzester Zeit abmontiert, wenn es sein muss.

Gibt es auf der Intersolar in München Neuheiten oder massive technische Fortschritte zu beobachten?

Die Technologie ist ausgereift und die Preise sind wettbewerbsfähig. "Massive technische Fortschritte" waren deshalb auf der Intersolar nicht zu erwarten. Was jedoch schon bezeichnend ist, wie dynamisch der Markt für Batteriespeicher ist. Es gab noch nie so viele Aussteller aus diesem Bereich. Dort passieren derzeit die spannenden Neuerungen. Was mich persönlich hier freut ist, dass auch in Deutschland jetzt der Markt für gewerbliche Eigenverbrauchsanlagen mächtig anzieht und viele Geschäftsmodelle präsentiert werden. In diesem Bereich ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich das größte Marktwachstum zu erreichen, was wir ja auch mit unser InitiativeTausendundein Dachsehen.

Zur Website der "Intersolar"

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