Hofer schmeißt den Christbaum raus

Maßarbeit für den Tag X - oder wie es auf Englisch heißt: X-Mas. © Bild: Stefan Hofer

Klima-Blog, Woche 24: Was die CO2-Bilanz unseres Christbaums betrifft, hab ich's leicht. Mir ist's fast peinlich.

All die Jahre stand er still und wartete. Für 15 Tage Ruhm. Und dann das.

Mag. Stefan Hofer | lebt den Öko-Wahnsinn

All die Jahre stand er still auf seinem Platz und wartete. Hörte zu, wenn sich die anderen Geschichten von Lametta und leuchtenden Kinderaugen zuflüsterten. 15 Tage Ruhm! gäbe es für die Auserwählten, hieß es. Dann, an den seltenen Wintertagen, an dem der Mann mit den gefütterten Stiefeln und dem Fuchsschwanz in der rechten Hand vorbeischritt und alle beäugte, zog er seinen besten Nadelstreif an und streckte sich. Vergeblich. Stets schulterte dieser einen Stammeskollegen und zog damit von dannen. Doch in dieser Adventzeit!..."

Wenn man Neffen am Abend der Bescherung vom frühzeitigen Erstürmen des weihnachtlich geschmückten Wohnzimmers abhalten und vor einer Enttäuschung schützen möchte, tut ein schneller Griff in die Geschichten-Kiste Not. Denn "das schönste an Weihnachten ist die Freude der Kinder", könnte ich hier schreiben. Würde ich aber nie tun. Ist zu kitschig. Jedenfalls kommt an dieser Stelle der Christbaum ins Spiel, der am Heiligen Abend nicht fehlen darf.

Wo kommt nur das Bäumchen her?

Doch wie sieht es mit Herkunft und Transport aus? CO2-Fußabdruck?

Nicht mal zu Weihnachten hat man seine Ruhe vorm Klima schützen.

Und vor allem: Wie sieht es mit der Entsorgung aus? Bei 2,5 Millionen Christbäumen in Österreichs Stuben und Wohnzimmern - neun von zehn stammen übrigens aus heimischen Wäldern - ist die Frage berechtigt.

Hier gestehe ich: Da hab ich's leicht - mir ist's fast peinlich.

Vor gut zehn Jahren habe ich meinem Vater geholfen, auf eigenem Grund mehr als ein Dutzend Tannen zu pflanzen. Die Setzlinge stammten von einem Züchter aus der Umgebung. Einmal ums Haus tragen, rein. Nach Tagen raus, zerhacken, teils als Reisig in den Garten, auf den Komposthaufen, der Rest in den Ofen. Welch' ein Glück. Der CO2-Fußabdruck kann sich sehen lassen - nämlich kaum.

Oh, Biomasse!

Auch in Wien, wo innerstädtisch eher weniger Leute eigene Komposthaufen vor der Tür betreiben, funktioniert's reibungslos: In eigens eingerichteten Sammelstellen bietet die Stadt bis zum 19. Jänner wieder kostenlose und umweltgerechte Entsorgung von Christbäumen an. Allein in Wien werden etwa 135.000 Christbäume gesammelt. Das ergibt rund 560 Tonnen Biomasse, die entweder zu Hackgut verarbeitet oder in Biomassekraftwerken verwendet werden. Mit der damit erzeugten Fernwärme können 3000 Haushalte einen Monat lang mit Energie versorgt, rechnen die Verantwortlichen vor. Danach können Sie Christbäume auch noch auf den Mistplätzen der MA 48 abgeben.

Und bevor ich es vergesse: Nur noch 354 Tage bis zum Heiligen Abend!

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Erstellt am 03.01.2013