Wie in "Jurassic Park", nur ohne Dinosaurier: Üppige Vegetation im Humboldt-Nationalpark.

© Stefan Hofer

über das Ökoparadies Baracoa
05/13/2015

Baracoa: Ökoparadies in der Karibik

Ab in den Regenwald! Kubas Südosten beeindruckt Besucher mit seiner endemischen Artenvielfalt. Ein Reisebericht.

von Stefan Hofer

Ab in den Regenwald! Kubas Südosten beeindruckt Besucher mit seiner endemischen Artenvielfalt. Ein Reisebericht.

Mag. Stefan Hofer | über das Ökoparadies Baracoa

Hay Banana, hay Banana!" - "Ich habe Bananen!" - schreit der fahrende Gemüsehändler am frühen Morgen, sein Wägelchen schiebt er quietschend durch die Gassen Baracoas (Bild unten). Kürbis, Kohl und Maniok preist er an, Zwiebeln und Bananenstauden hängen reif an der Wagenseite. Vor allem Einheimische, die eine Casa Particular (staatlich erlaubte Privatunterkunft für Touristen) betreiben, kaufen ein, um ihre Gäste fürstlich zu bekochen, bringen diese doch begehrte Devisen. Ich koste von den Bananen, sie sind wegen ihrer Süße nicht mit der europäischen Supermarktware zu vergleichen, sie explodieren geschmacklich im Mund. Nach mehreren Wochen quer durch Kuba fühle ich mich hier richtig angekommen.

In der Stadt am südöstlichen Zipfel Kubas, rund 1000 Auto-Kilometer von der pulsierenden Metropole Havanna entfernt, zeigt die Karibikinsel ihr ungeschminktes Gesicht. Unberührt, rückständig, üppig, tropisch feucht, rau vom Atlantik umspült, authentisch - all diese Beschreibungen treffen auf diesen Flecken Erde zu. Christoph Kolumbus landete auf seiner ersten Entdeckungsreise im Herbst 1492 an dieser Küste, laut Überlieferung schwärmte er: "Ich habe keinen schöneren Ort je gesehen".

Die Abgeschiedenheit des Ortes ist topographischer Natur. Eine Gebirgskette trennt die Stadt vom restlichen Teil der Provinz Guantánamo, die Passstraße wurde erst in den 1960er Jahren unter Fidel Castro gebaut, fünf Stunden benötigt der Bus von Santiago de Cuba nach Baracoa. Doch die mühsame Fahrt lohnt sich, der Ort zieht mich in den Bann und ich verbringe noch die letzte Woche meiner Reise hier.

Die Einheimischen sind vor allem zu Fuß, mit dem Rad oder auf Pferden unterwegs. Die Caballeros (Bild unten) wirken aus der Zeit gefallen, wie Angehörige des Trosses von Kolumbus. Ich entscheide mich für ein Fahrrad als Fortbewegungsmittel, die Nachbarn meiner Quartiergeber leihen mir ein Modell um drei kubanische Dollar pro Tag.

Mit dem klapprigen Rad mache ich mich in den nächsten Tagen auf den Weg, um bei schweißtreibenden Temperaturen ein faszinierendes Ökosystem zu entdecken. Warum Ökoparadies? Aufgrund seiner weltweit nahezu unvergleichlichen Art an endemischen - also auf eine Region begrenzten - Arten befindet sich hier eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete der Welt. Bislang ist es dem kommunistischen Inselstaat offensichtlich gut gelungen, diese Biodiversität zu erhalten.

Erste Station meiner Erkundungstour ist der "Parque Nacional Alejandro de Humboldt", benannt nach dem deutschen Universalgelehrten und Naturforscher, der diese Region um das Jahr 1800 erforschte. Hier ist auch der Tocororo, der Nationalvogel Kubas, beheimatet. Lesen Sie kommenden Montag im Blog über den Marsch durch die facettenreiche Vegetation und die schwierige Suche nach einem Tocororo...

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