Kakaofrucht im Regenwald am "El Yunque": Die Bohnen im Inneren sind mit weißem Fruchtfleisch umhüllt.

© Stefan Hofer

vom El Yunque zum Humboldt-Nationalpark
05/18/2015

Ein Regenwald, der schon Kolumbus und Humboldt faszinierte

Wandern in Kuba, Teil 2. Von Baracoa geht es mit dem Rad zum Tafelberg El Yunque und weiter zum Humboldt-Nationalpark.

von Stefan Hofer

Wandern im Regenwald, der schon Kolumbus und Humboldt faszinierte

Mag. Stefan Hofer | vom El Yunque zum Humboldt-Nationalpark

Vom ostkubanischen Städtchen Baracoa (Zur Nachlese 1. Teil: "Baracoa, Ökoparadies in der Karibik") fahre ich frühmorgens mit dem Fahrrad los. Vorbei an Kindern in Uniformen auf dem Weg in die Schule, Kokospalmen-Hainen und einer Schokoladen-Fabrik geht es nordwärts. Ich befinde mich an der Atlantikküste Kubas, dort, wo 1492 Christoph Kolumbus an Land ging.

Nach einigen Kilometern verlasse ich die mit Schlaglöchern übersäte Hauptstraße und biege mit meinem klapprigen Leih-Mountainbike links in eine Schotterpiste ab, die mich zum Ausgangspunkt meiner Wanderung führt. Vor mir baut sich das Ziel auf, der weithin sichtbare Tafelberg "El Yunque", auf deutsch "Der Amboss". Der 575 Meter hohe Kalksteinfels bietet sich als eine der schönsten Tagestouren auf der Karibikinsel an. Mit einem Führer - der in vielen Nationalparks auf Kuba verpflichtend ist und meist extra zum Eintritt in den Nationalpark (umgerechnet knapp 9 Euro pro Person) bezahlt wird - beginne ich den Aufstieg.

Wir durchwaten einen Fluss, der Weg schlängelt sich inmitten einer atemberaubenden Pflanzenvielfalt steil bergauf: Jahrzehntealte Mangobäume, Bananen- und Kakaopflanzen und endemische Arten wie der Korbblütler "Vernonia yunquensis" oder die Palmenart "Cocothrinax yunquensis" säumen den Pfad. Auf halber Strecke treffen wir einen Bauern (Bild), der Kokosnüsse sammelt und in Säcken ins Tal schleppt. Faszinierend, wie behände Einheimische mit einer Machete Kokosnüsse öffnen. Zuerst trinkt man die Kokosmilch, dann wird mit weiteren Hieben die harte Schale so fachmännisch gelöst, dass man das fettreiche Kokosfleisch essen kann.

"Mir sind die Essensrationen in diesem Monat ausgegangen", erzählt mein Führer Roy und schneidet ein Bananenbündel von der Staude. Bis zu drei Mal am Tag besteige er mit Touristen den Berg, da sei der Hunger durch die Anstrengung noch größer und es komme schon vor, dass er an einem Tag mehr als 20 Bananen vernasche. Trotzdem sei es der beste Job, den er bisher hatte. Er arbeitete u.a. als Taxifahrer und Tänzer, doch hier am Berg fühle er sich am wohlsten. Unterwegs knackt er eine Kakaofrucht (Bild ganz oben), und zeigt mir die noch nicht fermentierten Kakaobohnen im Inneren, die in weißem Fruchtfleisch gehüllt sind: "Das Fruchtfleisch kann man essen, probier einmal!" Ich lutsche eine Kakaobohne nach der anderen ab, bis mir flau im Magen wird.

Vom Gipfel des Tafelbergs (Bild: Blick von oben) offenbart sich ein Blick bis tief in den Atlantik hinein. Mein Blick schweift nach Norden zum nächsten Ziel meiner Reise: dem "Parque Nacional Alejandro de Humboldt".

Humboldt lässt grüßen

Anderntags folgt eine zweite Wanderung. 40 Kilometer nördlich von Baracoa liegt der Parque Nacional Alejandro de Humboldt, dieser erstreckt sich auf einer Fläche von 70.000 Hektar und weist eine außergewöhnliche Biodiversität auf, vor allem die Zahl der endemischen Arten (Anm.: Diese kommen nur in einem begrenzten Areal und ansonsten nirgendwo vor) macht die Region zu einem Schmuckstück der Natur. Der Bau eines Staudamms konnte verhindert werden, seit 2001 ist der Park UNESCO-Welterbe. Am Nationalpark-Eingang begrüßt Alexander von Humboldt die Besucher - zumindest in Form einer Büste (Bild oben). Der deutsche Naturforscher bereiste um das Jahr 1800 diese Region und trug maßgeblich zur Erkundung der örtlichen Fauna und Flora bei.

Der Wanderweg "Sendero Balcon de Ibera" führt vorbei an Wasserfällen und Naturschwimmbecken, die Szenerie erinnert an den Kinoklassiker "Jurassic Park". Die Tiere, denen wir begegnen sind allerdings kleiner: Geckos und Tausendfüßler kriechen an Baustämmen und auf dem Boden und unzählige Vogelstimmen erklingen.

Letztlich bekommen wir sogar für einen flüchtigen Moment einen Tocororo zu Gesicht, den Nationalvogel Kubas. Sogleich verschwindet er mit seinem blau-rot-weißen Gefieder zwischen den Baumriesen. Bleibt zu hoffen, dass die Artenvielfalt, die derzeit existiert, auch in einem möglicherweise politisch bald verändertem Kuba als schützenswert erachtet wird und erhalten bleibt.

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