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begleitete Alois Mock
11/05/2014

"Bitte, das ist jetzt aber off records…."

von Wolfgang Atzenhofer

Plötzlich Geheimnisträger im europäischen Umbruch zu sein, schmeichelte.

Wolfgang Atzenhofer | begleitete Alois Mock

Weil man es ihm schuldig ist. Und weil man dankbar ist, dass man die dramatischen Ereignisse rund um das Jahr 1989 dank Alois Mock so bewusst erleben durfte.

Dem damals noch recht jungen Mostviertel-Reporter des KURIER war es vergönnt den Umbruch Europas mehrfach vom "Mister Europa" Alois Mock persönlich geschildert und erklärt zu bekommen. Als ehemaliger Euratsfelder Bürgermeister und Mostviertler ÖVP-Mandatar ließ der damalige Außenminister Mock zwischen seinen Touren durch die Weltpolitik immer wieder zum regionalen Pressegespräch laden.

Am Wirtshaustisch wurden Weltpolitik und ein Glas Most gespritzt serviert. Dazu Berichte über seine Treffen mit Reagan, Bush, Genscher oder Dumas, dem Mock 1989 ja Österreichs Beitrittsantrag zur EG überreicht hatte. Auch mit vertraulichen Infos, persönlichen Einschätzungen oder Befürchtungen hielt der Herr Minister nicht hinter dem Berg. Wurde es besonders spannend, vergaß der gelernte Diplomat nie: "Meine Herrn, das is jetzt aber off records". Plötzlich Geheimnisträger im europäischen Umbruch zu sein, schmeichelte uns Land-Reportern doch sehr. Tonband hatte damals ohnehin keiner dabei.

Kernthema Mocks war immer wieder das Friedenprojekt Europa. Nach seiner Aktion mit seinem ungarischen Kollegen Gyula Horn am Eisernen Vorhang im September 1989, dem Berliner Mauerfall und dem Zusammenbruch des Ostblocks war Mock auch auf sich selbst stolz. Österreich hatte mit dem Beitrittsantrat den Top-Startplatz ins neue Europa, betonte er immer wieder.

Heute schämt man sich fast dafür, dass wir dem Europapolitiker als Lokaljournalisten bei diesen Terminen dann immer noch schnell regionale Schlagzeilen abrangen. Mock-Sager zu regionalen Problemen, wie Straßenbauen, möglichen Bahnsperren oder geplanten Alu-Schmelzwerken waren immer etwas wert.

Wer, wie ich, Mock begleiten konnte, als er im Zuge des Jugoslawienkriegs in den frühen 1990er Jahren bosnische Flüchtlingsfamilien im Stift Seitenstetten besuchte, lernte auch die ehrliche Betroffenheit, Machtlosigkeit und Herzlichkeit des Friedenspolitikers Mock kennen.

Alois Mock feierte heuer den 80. Geburtstag. Im Gemeindehaus Euratsfeld gibt es deshalb eine umfangreiche Foto- und Plakatdokumentation zum Außenpolitiker und ÖVP-Politiker Mock. Ein Zeitgeschichtecocktail pur.

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