Das Schloss Wilhelminenberg

© Stephan Boroviczeny

über den Wilhelminenberg-Bericht
06/13/2013

Auslöschung

von Georg Hönigsberger

Was bleibt ist ein schaler Nachgeschmack.

Georg Hönigsberger | über den Wilhelminenberg-Bericht

Es ist wieder ein Indiz hinzugekommen, dass im Kinderheim Wilhelminenberg etwas faul war. Sämtliche Heimakten wurden am Tag der Schließung des Heimes im Jahr 1977 abtransportiert und vernichtet. Dienstlisten: weg. Die Unterlagen der untergebrachten Kinder von 1948 bis 1977: weg. Die Krankenakten, aus denen sich herauslesen ließe, mit welchen Medikamenten die Kinder behandelt wurden: weg. Für immer ausgelöscht. Amtliche Akten dürfen nicht einfach vernichtet werden. Aber sie wurden. Wer den Befehl zur überfallsartigen Aktenvernichtung gegeben hat, kann heute nicht mehr eruiert werden. Man kann den Verantwortlichen wohl nur im zuständigen Amt oder in der Politik suchen. Vergeblich, die damals handelnden Personen sind bereits verstorben. Was bleibt ist ein schaler Nachgeschmack. Warum wurde gerade am Wilhelminenberg Hals über Kopf alles ausgelöscht, was Antworten auf die Geschehnisse im Heim liefern hätte können? An Zufall glaube ich nicht. Das riecht stark nach Vertuschung.

Prostitution

Im Endbericht der Wilhelminenberg-Kommission wird berichtet, dass Vorwürfe der Kinderprostitution nicht nachgewiesen werden konnten. Gut, Zuhälter mit Goldketterl und behaarter Brust werden sich wohl nicht in den Gängen des alten Schlosses herumgeschlichen haben. (Wenngleich mich im Zusammenhang mit diesem Heim selbst das nicht mehr wundern würde). Aber der Endbericht bestätigt, dass Erzieherinnen junge Mädchen aus den Schlafsälen geholt und fremden Männern zum Geschlechtsverkehr zugeführt haben. Wenn das so ist, dann waren diese Erzieherinnen - vielleicht nicht im juristischen aber im moralischen Sinn - die Zuhälterinnen wehrloser Heimkinder.

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