Blaue Hitzeschäden
Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“. Zehn Jahre ist es her, dass dem damaligen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer dieser flapsige und mittlerweile berühmt-berüchtigte Sager im Wahlkampf entfuhr. Treppenwitz der Geschichte: Es sollte mit Herbert Kickl ausgerechnet Hofers Gegenspieler und Nachfolger als Parteichef sein, der diesen Satz mit Leben erfüllte.
Vorerst trotz relativer Mehrheit auf die Oppositionsbank verbannt, versucht die FPÖ tagtäglich die Grenze des Sagbaren, aber auch des Machbaren zu verschieben. Ganz nach dem Muster ihrer rechtspopulistischen Schwesterparteien wie der AfD – aber auch auf den Spuren des großen Vorbilds jenseits des Atlantik, US-Präsident Donald Trump, dessen Kampagnen die Blauen genau studiert haben.
Und so vergeht kaum eine Woche, in der nicht Verwicklungen der FPÖ mit den Identitären ans Licht geraten, Medien und Politiker anderer Parteien aufs Übelste verächtlich gemacht und Erkenntnisse der Wissenschaft ins Lächerliche gezogen werden. Wie nicht zuletzt beim Klimawandel. Wobei sich hier die FPÖ zusehends selbst überdribbelt. Denn es geht sich beim besten Willen nicht mehr aus, wenn FPÖ-Vertreter einerseits angesichts der aktuellen Rekordtemperaturen von „Hitze-Panik“ sprechen, andererseits aber von der Regierung schleunigst Unterstützung für die dürregeplagten Bauern einfordern.
Was wurde aus Trump?
Einen anderen vermeintlichen Quotenbringer musste die FPÖ schon vor einiger Zeit klammheimlich entsorgen, nachdem sie auch hier ein eher peinliches Rendezvous mit der Realität erleben musste: Noch vor wenigen Monaten war es für blaue Spitzenfunktionäre fast Pflicht, öffentlich US-Präsident Trump zu loben. „Jetzt weht im Mutterland der Demokratie wieder ein anderer Wind“, jubelte Kickl im Vorjahr beim blauen Aschermittwoch-Treffen. Noch überschwänglicher seine Abgeordnete Susanne Fürst, blaue Abgesandte bei Trumps Inauguration. Dieser werde „international deeskalieren“, tönte sie damals. Mittlerweile hat der vermeintliche Friedensbringer die Welt ins Chaos gestürzt, die Blauen wollen von Trump nichts mehr wissen.
Gewiss: Eingefleischte FPÖ-Fans werden auch solche Widersprüchlichkeiten nicht abschrecken. Zu groß ist der Frust über die allgemeine Weltlage, zu groß die Versuchung, gemeinsam mit der FPÖ wahlweise Migranten oder „das System“ dafür verantwortlich zu machen. Einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene werden solche verantwortungslosen Kapriolen die FPÖ aber auch nicht näher bringen. Doch es sind dann bestimmt wieder die anderen schuld, wenn es auch im nächsten Anlauf nicht klappt.
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