© REUTERS/KARINA HESSLAND

Leitartikel
07/07/2021

Bitte jetzt keine Delta-Hysterie

Die Hoffnung, dass sich Covid rund um den Globus austobt und dann verschwindet, wird nicht in Erfüllung gehen.

von Wolfgang Unterhuber

Das Virus ist gekommen, um zu bleiben. Die Hoffnung also, dass sich Covid rund um den Globus austobt und dann so wie die Spanische Grippe vor 100 Jahren wieder verschwindet, wird nicht in Erfüllung gehen.

Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Und zwar so normal wie möglich. Österreich geht diesen Weg gerade. Noch radikaler ist England. Dort sollen am 19. Juli überhaupt alle Corona-Maßnahmen beendet werden.

Keine Abstandsregeln, keine Masken, und bei Großveranstaltungen in Stadien und Arenen soll es keine Platzbeschränkung mehr geben.

Dabei hat sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen wegen der Delta-Variante zuletzt deutlich erhöht. Premier Johnson rechnet sogar bald wieder mit 50.000 Fällen täglich für Großbritannien.

Im Einwohnerverhältnis umgerechnet wären das in Österreich zwischen 6.000 bis 7.000 Fälle. Sind die Engländer verrückt geworden? Überhaupt nicht. Sie beenden nur endlich die Fokussierung auf die Neuinfektionszahlen.

Die waren und sind nämlich nicht entscheidend. Entscheidend ist die Auslastung der Intensivbetten. Mit dieser hat die Politik hierzulande auch die Verhängung der Lockdowns begründet. Und die Zahl der Covid-Intensiv-Patienten ist Gott sei Dank derzeit sehr gering.

Zu verdanken ist das der Pharmaindustrie und den von ihr entwickelten Impfstoffen. Man kann sich auch als Geimpfter anstecken – aber der Verlauf ist viel milder. So viel ist sicher. Und damit steht einer weitgehenden Normalisierung unseres Lebens fast nichts im Wege.

Warum das wichtig ist? Weil jetzt schon wieder die nächste Hysterie ums Eck biegt – die Delta-Hysterie. Gewiss: die Mutante ist um 40 bis 60 Prozent ansteckender. Aber  auch hier gilt: Wer geimpft ist, kommt generell mit mildem Verlauf davon. Also: cool bleiben.

Wichtig ist jetzt nur noch eine weitgehende Durchimpfung der Bevölkerung. Damit verhindern wir nicht nur einen Anstieg der Intensivpatientenzahlen sondern auch weitere Lockdowns.

Denn eines muss klar sein: Auf- und Zusperren ist Mittelalter und keine Lösung für die Zukunft. Der Wirtschaft muss jetzt höchste Priorität eingeräumt werden, nachdem sie die vergangenen eineinhalb Jahre immer wieder künstlich abgewürgt wurde.

Sollte also die notwendige Durchimpfung der erwachsenen Bevölkerung mit gut Zureden und Belohnungssystem nicht funktionieren, wird man über Alternativen nachdenken müssen.

Wobei eine Impfpflicht nicht notwendig ist. Im allerschlimmsten Fall müsste man Sanktionen überlegen – etwa Selbstbehalte für Impfverweigerer, welche die Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen. Jede Wette, dass die Durchimpfung der Bevölkerung dann kein Problem mehr ist.

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