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Meinung
10/31/2019

Autoindustrie in der Sackgasse

Hersteller suchen mit Fusionen ihr Glück. Indes wird sich die Politik zwischen Klima- und Standortpolitik entscheiden müssen.

von Robert Kleedorfer

In der Autoindustrie bleibt kein Stein auf dem anderen. Angetrieben von Dieselskandal und Klimaschützern sind die Hersteller gezwungen, massiv in neue Technologien zu investieren. Nicht alle Autobauer wie VW sitzen auf so viel Geld, um diese enormen Summen zu stemmen. Sie müssen ihre Kräfte bündeln. So wie Fiat Chrysler. Die beiden Marken sind schon seit knapp sechs Jahren eine Einheit. Dennoch reicht es noch immer nicht, um dauerhaft bestehen zu können. Nun soll es eine weitere Fusion mit Peugeot Citroen (und Tochter Opel) richten.

Das kann gut gehen – oder auch nicht. Schon einmal platzte eine Ehe mit Chrysler, Daimler hat vor rund 12 Jahren viel Geld in den Sand gesetzt und konnte den Partner, der zum Klotz am Bein wurde, nur mit Müh und Not loswerden. Mit Peugeot würde es zu einer ménage à trois kommen – also zu einer Dreiecksbeziehung zwischen US-Amerikanern, Italienern und Franzosen. Wobei dann letztere den Takt vorgeben wollen. Peugeot-Chef Carlos Tavares gilt als gnadenloser Sanierer. Vor allem außerhalb Frankreichs. Denn eine Reduktion von Mitarbeitern im eigenen Land, noch dazu bei einem Konzern mit Staatsbeteiligung – kommt beim Volk nicht gut an.

Beschleunigter Jobabbau

Eine weitere Fusion wird den Jobabbau beschleunigen, auch bei Opel in Wien. Die Politik sollte sich darauf vorbereiten. Und sie wird sich entscheiden müssen – zwischen Klima- oder Standortpolitik. Die Branche fühlt sich schon jetzt wegen überbordender Vorschriften wegen des Klimaschutzes in die Enge getrieben. Dabei ist der Industriezweig sehr bedeutend. Beispielsweise investiert BMW alleine heuer mehr als 200 Millionen Euro in die Dieselmotoren-Entwicklung in Steyr. Das sichert – im Gegensatz zu Anti-Auto-Demos – definitiv Arbeitsplätze im Land.