über das EM-Aus Österreichs
06/22/2016

AUT im Out

Was an der EM-Teilnahme typisch österreichisch war und was nicht. Nur keine Katastrophenstimmung bitte.

von Gert Korentschnig

Hoffentlich reagieren wir ab heute nicht österreichisch, indem wir die Kicker als Deppen abstempeln.

Gert Korentschnig | über das EM-Aus Österreichs

Österreich ist also ausgeschieden – können wir uns jetzt wieder mit dem echten Leben beschäftigen statt mit einer Traumwelt und unsere Verabredungen einhalten, statt vor der Glotze zu sitzen?

Das Ausscheiden hat zumindest einen Vorteil: Der chauvinistische Aspekt fällt mit einem Schlag weg. Es zählt ja zu den seltsamen Begleiterscheinungen des Fußballsportes, dass vor, bei und nach Spielen das Glück einer ganzen Nation von Schüssen ins Tor abhängig gemacht wird. Dabei geht es uns Österreichern nach der Niederlage gegen Island genauso gut oder schlecht wie davor. Wir haben wohl bald keinen Bundespräsidenten mehr, was politisch vielleicht ebenso schwerwiegend ist wie eine Fußverletzung. Wir leben in einem starren System, das sich gegen jede Veränderung sträubt. Wir stehen vor einem ORF-Wahlkampf, bei dem mindestens so viel im Hintergrund abgesprochen wird wie bei geschobenen Spielen. Jedenfalls sollten wir faire Verlierer bleiben und das Ergebnis in St. Denis nicht anfechten.

Aber was war nun an der EM-Teilnahme österreichisch? Der ORF-Reporter stellte gestern während der Partie die richtige Frage: Wer übernimmt die Verantwortung? In Österreich ist es immer leicht, Nörgler zu finden, Menschen, die alles besser könnten – den Beweis dafür will aber kaum jemand erbringen. Ebenso österreichisch ist das Wissen, dass wir es an die Spitze schaffen hätten können – im Hättiwari-Bewerb sind wir Champion.

Was war unösterreichisch? Die Leidenschaft, bis zur letzten Minute zu kämpfen und nicht lange davor aufzugeben. Die Internationalität der Truppe. Das Bewusstsein, gegen Portugal pures Glück gehabt zu haben – zumeist fühlen wir uns ja im Pech, schuld sind die anderen.

Hoffentlich reagieren wir ab heute nicht österreichisch, indem wir die Kicker als Deppen abstempeln. Alaba, Arnautovic & Co. sind genauso cool und begabt wie vor der EM. In Frankreich waren sie halt mit einer mentalen Bremse eine Spur österreichischer als sonst.

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