Den hausbesuchenden Arzt gibt immer noch, aber nicht mehr lange - das ist durchaus zu befürchten.

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über die Schwierigkeiten für einen Hausarzt
06/12/2015

Aus dem Alltag eines Arztes

von Andreas Kurzreiter

Die Zweiklassenmedizin hat es immer schon gegeben

Dr. Andreas Kurzreiter | über die Schwierigkeiten für einen Hausarzt

Ich musste mich dieser Tage über den Artikel "Hausapotheken sind überflüssig" sehr ärgern. Erstens gibt er die einseitige Meinung des nicht einmal neutral den Medizinern gegenüberstehenden Patientenanwaltes Herrn p.t. Bachinger wieder. Zweitens ist der dargestellte Sachverhalt zu wenig untersucht und andere Facetten werden nicht erörtert.

Die Hausapotheken sind ein Relikt aus der Zeit, als es am Land keine flächendeckende Versorgung mit Apotheken gab. Sie wurden dann auch zum Zubrot für die Ärzte, welche eigentlich für ihre Leistung (besonders am Land) durch die Kassen zu schlecht honoriert werden. Die Flächendeckung mit Apotheken gibt es am Wochenende wahrscheinlich immer noch nicht, den hausbesuchenden Arzt aber immer noch. Nicht mehr lange - das ist durchaus zu befürchten. Junge Kollegen wollen sich diese Bürde um diese Entlohnung nicht mehr antun.Natürlich sehen auch die Apotheker die Hausapotheken bei Landärzten skeptisch, sie wollen natürlich ihre Geschäftsinteressen schützen oder erweitern.

Die Zweiklassenmedizin hat es immer schon gegeben nämlich durch die Pflichtversicherten und die Zusatzversicherten. Die Kassen sind mit den Leistungen, welche sie erbringen limitiert, das heißt, es ist nicht im Versicherungsvertrag enthalten, dass sie einen Magnetresonanz (MR) Termin innerhalb einer Woche bekommen können. Weiters sind die Kassenleistungen an Erbringer der z.B. bildgebenden Diagnostik gedeckelt, d.h. pro Quartal kann ein Facharzt so und so viele MRT oder physikalische Behandlungen refundiert durchführen, was darüber hinausgeht wird von der Kasse nicht bezahlt!

Kosten

Wer arbeitet umsonst? Ergo kann ich nur einen MR Termin bekommen, wenn ich dafür privat zahle, das ist keine Abzockerei, sondern Leistung für Geld. Man kann ja dann versuchen die Rechnung bei der Kasse einzureichen, die Refundierung kann bis zu 80 Prozent betragen, die Betonung liegt auf kann!

Die Misere mit den Deckelungen bringt es dauernd mit sich, dass Patienten mit akuten Beschwerden des Stützapparates 'nur' symptomatisch behandelt in Krankenstand gehen können, wenn nicht ich den Röntgen Termin (und ich meine Röntgen und nicht MR - nicht jeder braucht ein MR - mit dem lokalem Radiologen vereinbaren würde, wäre die Wartezeit auch eine Woche , was zwar einer weiteren Diagnostik hilfreich ist, aber die physikalische Therapie hat auch eine Latenz von vier bis sechs Wochen (Deckelung, s.o.!)

Für die Österreicher ist das alles unverständlich, weil alles was die Gesundheit und medizinische Leistungen betrifft nichts kostet und nichts kosten darf. Das beginnt mit dem Missstand, dass niemand bei Versicherungsabschluss liest, welche Leistungen von der Kasse überhaupt bezahlt werden (seit 9 Jahren versuche ich diesen Umstand meinen Patienten immer wieder klar zu machen - eigentlich erachte ich es aber nicht als meine Aufgabe). Dadurch, dass niemand weiß, was die medizinischen Leistungen kosten, kann auch kein Kostenbewusstsein entstehen.

Weiters zu der Aussage des Herrn Patientenanwaltes hinsichtlich der Medikamentenverordnung und dass die Apotheker die Spezialisten sind: Sie sind Spezialisten hinsichtlich der Beschaffung, Verteilung und evt. der Produktion. Wir Ärzte sind die Spezialisten der der Diagnose und der Therapie! Wir verschreiben Medikamente für bestimmte Krankheitsbilder, wir kontrollieren den Therapieerfolg und erweitern evt. die Diagnostik, nicht die Apotheker!

Darf ich an die 'aut idem' Regelung erinnern, wodurch ein Apotheker das gleiche Medikament einer anderen Firma als am Rezept vermerkt ist ausgeben darf? Bei der Rezeptur in meiner Ordination versuche ich immer wieder Kompromisse zwischen Sparaufrufen durch die Kassen und dem mindest Notwendigen für die Patienten zu treffen, ich suche halt in meinem, übrigens von der Apothekekammer herausgegeben (kostenpflichtigen) Verzeichnis das günstigste Medikament der Firma XY heraus und so steht es dann auf meinem Rezept. Der Patient geht damit in die Apotheke, diese hat den Wirkstoff dieser Firma nicht lagernd, so fragt man den Patienten, ob er ein gleiches Medikament einer anderen Firma haben möchte oder in 4 Stunden oder morgen wieder kommen will. Na den Schluss können Sie sich denken. Ist es dann immer noch die günstigste Verschreibung?

Ärztemangel

Dieser ist natürlich relativ, aber viele junge Ärztinnen und Ärzte gehen wegen der besseren Bezahlung ins Ausland. Die jetzige Generation an Hausärzten wird in zirka zehn Jahren in Pension sein (dazu gehöre auch ich), dann kann endlich das ganze Land mit PHC überzogen werden, voll mit ELGA, kein Familienarzt mehr, alles in elektronischer Akte mit EBM und klaren Richtlinien und Kostenlimit. Einen Job bei einem Herzfehler zu bekommen und sei es nur ein FOA wird wahrscheinlich unmöglich sein, aber in einem Land wo es Mindestsicherung gibt, ist das auch egal.

Dr. Andreas Kurzreiter ist Arzt für Allgemeinmedizin im vierten Wiener Gemeindebezirk.

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