über Flüchtlinge als Wirtschaftsfaktor
12/19/2015

Auch Hochwasser ist ein Konjunkturpaket

Flüchtlinge beleben die Wirtschaft, prophezeien manche Zweckoptimisten. Zweifel sind angebracht.

von Martina Salomon

Die gut Ausgebildeten ziehen weiter.

Dr. Martina Salomon | über Flüchtlinge als Wirtschaftsfaktor

Wirtschaftsforscher und Industrie-Experten singen dieser Tage im Chor: Die Flüchtlinge sind ein Konjunkturpaket. (Nur leise wird angefügt: Aber auf Pump.) Nicht alle Staaten sehen das so: Die rot-grüne schwedische Regierung zum Beispiel will dieses "Konjunkturpaket" nicht mehr aufmachen und schließt die Grenzen. Österreich hat die Masseneinwanderung, die vielfach bloß Durchreise war, mit großartiger Hilfe sehr vieler Freiwilliger so recht und schlecht im Griff. Aber Tausende Menschen leben nach wie vor in Hallen und Stadien, obwohl sie schon in Grundversorgung sein sollten. Was ist, wenn der Strom nicht abreißt?

95.000 haben heuer in Österreich um Asyl angesucht – rund 60 Prozent dürfen bleiben. Dazu kommt noch der Familiennachzug. Schwerer als die Quartierkrise wiegt die Integrationskrise. Etliche der neu angekommenen (und auch erschreckend viele der in Österreich aufgewachsenen) Muslime verachten offen oder heimlich unser Gesellschaftsmodell. Das lässt sich nicht mit ein paar Wertekursen wegzaubern. Und es gibt ganze Gruppen – etwa Tschetschenen –, die schon bisher Anpassungsprobleme hatten.

Nun kommen Tausende Neuzuwanderer (derzeit mehrheitlich Afghanen) dazu, fast alle ohne Deutschkenntnisse, viele Analphabeten. Die gut Ausgebildeten ziehen weiter. Länder wie Kanada suchen sich die Besten aus - warum nicht wir auch? Ja, wir brauchen jetzt mehr Caritas-Mitarbeiter, Integrationslehrer, Wohnungen, Kindergärten, Schulen. Natürlich kurbelt das die Konjunktur an (würgt aber andere Investitionen ab). Polemisch gesprochen ist auch ein Hochwasser ein Konjunkturpaket, weil man aufräumen und aufbauen muss.

Sind wir ein faules Land geworden?

Abschottung ist keine Alternative. Wirte müssen in Ungarn nach Kellnern suchen, weil Einheimischen mit und ohne Migrationshintergrund diese Arbeit zu mühsam ist. Der Pflegebereich wäre ohne Rumäninnen zusammengebrochen, der Bau ohne ausländische Arbeiter undenkbar, an unseren Unis sind die Deutschen oft die Fleißigsten. Gut möglich, dass wir ein faules Land geworden sind. Bei vielen Jungen zählt Work-Life-Balance mehr als Aufstieg, und manch lang gedientem Arbeitnehmer fehlt die Motivation, weil er weiß, dass man ihn ohnehin nicht so leicht loswird. Soziale Besitzstandswahrer und zu allen Bedingungen Arbeitswillige – eine brisante Mischung. Aber vielleicht auch ein Weckruf für Erstere?

Nun wird die (nach der Ostöffnung) nächste Welle der legal und vielfach illegal auf den Arbeitsmarkt Strömenden die Gehälter drücken und die Arbeitslosigkeit erhöhen. Die hohen Sozialleistungen sind ein weiterer Anreiz, nach Österreich zu kommen. Ist das ein Konjunkturpaket? Wenn jetzt auch noch Bundeskanzler Werner Faymann wichtigen österreichischen Handelspartnern – den osteuropäischen Ländern – mit EU-Sanktionen droht, falls sie keine Flüchtlinge aufnehmen, so könnte das ein weiterer Schuss ins Knie sein.

Nachhaltiges Wirtschaften und zukunftsorientierte Arbeitsmarktpolitik stellt man sich anders vor.

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