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Leitartikel
11/18/2021

Am Ende regiert die Enttäuschung

Ein harter Lockdown für ganz Österreich gilt als Allheilmittel gegen die hohen Infektionszahlen. So einfach sollte man es sich nicht machen.

von Martin Gebhart

Schachspieler fürchten diese Situation. Man ist in ein Eck gedrängt – und egal, welchen Befreiungszug man plant, der König ist kaum noch zu retten. Politikern geht es genauso, wenn sie von einer Entwicklung überrollt werden. Sie verkünden täglich neue Maßnahmen, hoffen auf den großen Befreiungsschlag und müssen zerknirscht zur Kenntnis nehmen, dass ihnen die Bevölkerung nicht mehr folgen kann und will.

Diese Gefahr schwebt über dem Treffen der Landeshauptleute mit Kanzler Alexander Schallenberg und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein in Tirol. Im Vorfeld drängen Experten und auch Meinungsmacher bereits auf einen harten Lockdown für ganz Österreich, um so die vierte Corona-Welle zu brechen und dem dramatischen Anstieg der Infektionszahlen Einhalt zu gebieten. In Oberösterreich und Salzburg haben die Landeshauptleute Thomas Stelzer und Wilfried Haslauer diesen Schritt für ihre Länder als fix angekündigt.

Wobei die beiden, die vor einigen Tagen überhaupt keinen Handlungsbedarf gesehen hatten, es natürlich lieber hätten, wenn gleich bundesweit komplett zugesperrt wird. So wäre es gegenüber der eigenen Bevölkerung wohl leichter, regionale Fehler und Versäumnisse zu kaschieren. Und nur als Anmerkung dazu: Als zu Ostern nur für Wien, Niederösterreich und das Burgenland ein härterer Lockdown verhängt worden war, wollte der Rest von einer bundesweiten Ausrollung auch nichts wissen.

Effektivste Schraube

Ein österreichweiter Lockdown zählt sicherlich zu den effektivsten Schrauben, an denen gedreht werden kann, um dem Strudel der zu hohen Sieben-Tage-Inzidenzen und der zu großen Belastung des Gesundheitssystems entfliehen zu können. Bei so einer weitreichenden Entscheidung sollte aber auch die riesige Enttäuschung in die Waagschale gelegt werden, die damit ausgelöst wird. In erster Linie bei jener Bevölkerungsmehrheit, die sich an die Corona-Beschränkungen gehalten, die lokalen Verschärfungen mitgetragen und auch die Impftermine wahrgenommen hat. Diese Menschen werden dann mit all jenen in einen Maßnahmen-Topf geworfen, die ihnen bislang – zumindest gedanklich – den Stinkefinger gezeigt haben.

Regierung und Landeshauptleute stecken in einer Corona-Sackgasse. Es ist eine Situation, die das ganze Land nicht nur verunsichert, sondern weiter lähmt. Der Weg heraus führt nur über klare und vor allem gemeinsame Ansagen, die eine längere Halbwertszeit haben als jene Regeln, die zuletzt präsentiert worden sind.

Da geht es nicht nur darum, ob es einen Lockdown für alle gibt oder nicht. Da geht es auch um eine Impfpflicht, um diesem Teufelskreis der ständigen Virus-Wellen endlich entfliehen zu können. Gelingt das nicht, gibt es nur Verlierer – die Regierung, die Landeshauptleute und auch die Bevölkerung.

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