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Meinung
06/28/2019

Achtung: So werden Sie im Netz getäuscht

Das Internet sollte die große Meinungsfreiheit bringen, ist aber auch voll von Lug und Trug.

Achtung: Versteckte Kamera! Daran hätte nicht nur Heinz-Christian Strache auf Ibiza denken sollen, sondern auch die Google-Managerin Jen Gennai. Sie ist bei der amerikanischen Suchmaschine Chefin des Bereichs „verantwortungsvolle Innovationen“, hat sich aber bei einer heimlichen Video-Aufnahme sehr unklug geäußert. Die Google-Managerin wurde in die Falle gelockt,

als sie Vertreter eines angeblichen Start-ups in einem Restaurant traf. Es war aber die Enthüllungsplattform „Project Veritas“, die sie heimlich filmte.

Jen Gennai erklärt, dass die Wahl von Donald Trump im Jahr 2016 durch Missbrauch von Daten manipuliert worden sei. Dann sagt sie, dass Google an Algorithmen für solche Fälle arbeite. Und das klang so, als würde Google die Wiederwahl von Donald Trump verhindern wollen. Die Managerin hat sich später entschuldigt, sie wollte nicht sagen, dass Google mit ihren Algorithmen Wahlen beeinflussen wolle. Außerdem sei das Video täuschend zusammengeschnitten worden.

Wie auch immer, Faktum ist, dass Donald Trump mit einer britischen Datenanalysefirma ganz gezielt und möglicherweise illegal Wählerinnen und Wähler im Internet angesprochen hat. Faktum ist auch, dass Internetriesen wie Google oder Facebook über die von ihnen entwickelten Algorithmen unser Verhalten im Netz beeinflussen und auch manipulieren. Die große Freiheit im Internet gibt es also nur, wenn wir uns diese selbst nehmen, durch kritisches Überprüfen von Meldungen und Nachrichten, die wir bekommen. Die US-Riesen mit dem Zug zum Monopol wollen nur unser Bestes, nämlich unsere Daten, um mit diesen dann sehr viel Geld zu machen. Dass sie auch daran arbeiten, uns in unserem Verhalten so zu lenken, dass sie selbst noch mehr Geschäft machen, oder uns auch politisch manipulieren, davon müssen wir leider ausgehen.

Nur Bildung schützt vor Täuschung

Google-Managerin Gennai richtet sich in dem Video auch ganz klar gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren, die die Internetriesen zerschlagen wolle, was aber kaum passieren wird. Dabei ist die Technik noch ganz am Anfang – perfekte Videos, wo Gesichter bekannter Personen mit Wortmeldungen unterlegt werden, die sie nie getätigt haben, sind bald einfach herzustellen.

Da hilft nur eines: mehr Bildung. Auf Regulierung oder Zerschlagung können wir nicht warten. Das Internet ist nicht das Paradies, wo sich jeder ohne Bedenken nehmen kann, was er will, und damit glücklich wird. Das Internet ist ein Dschungel, wo wir in unserem Verhalten und unseren Meinungen ständig überfallen werden können. Außer man ist gebildet genug, um zu erkennen, was richtig und was falsch ist. Eine Aufgabe für die Schule, vielleicht die wichtigste.