Traumhaft: Einer der Strände in Ksamil

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07/22/2021

Zu Gast bei Feinden: Immer mehr Serben machen Urlaub in Albanien

Mit dem Meer, günstigen Preisen, aber vor allem dem lockeren Umgang mit Corona lockt das Balkan-Land auch Touristen, die man dort nicht erwarten würde.

von Mirad Odobasic

Betrachtet man die aktuellen Einreisebestimmungen in europäischen Ländern, dann sticht ein Name zwangsläufig hervor: Albanien. Hinter dem Doppelpunkt, der dem Namen des kleinen Balkanstaates folgt, steht nämlich - nichts. Das will in den Pandemie-Zeiten Folgendes heißen: Bei der Einreise gibt es weder Test- noch Quarantäneverpflichtung. Albanien heißt im Sommer 2021 wie schon in dem ebenfalls von Corona geprägten Sommer 2020 alle Gäste willkommen. Und zwar eingeschränkt. 

Eben diese Tatsache lockt immer mehr ausländische Touristen in das 3-Millionen-Einwohner-Land, das mit 427 Küstenkilometern mit gleich zwei Meeren - dem ionischen und dem adriatischen - gesegnet ist. Der recht lockere Umgang der Albaner mit dem Virus, das nun seit mittlerweile eineinhalb Jahren das Leben uns aller bestimmt, hat anscheinend dazu verholfen, die ewigen Gräben zwischen den einzelnen Völkern vergessen zu lassen. Zumindest für die Zeit des Urlaubs. 

So entscheiden sich in diesem Sommer etwa immer mehr serbische Urlauber, ihre Urlaubszeit in dem Land, zu dem man eine alte Feindschaft pflegt, zu verbringen. "Es gibt kein Sekkieren, kein Testen, deswegen sind wir hier. Nächstes Jahr, wenn, so Gott es will, Corona vorbei ist, sind wir wieder in Griechenland", erzählt Milinko gegenüber dem serbischen Portal nova.rs. Der Familienvater ist einer der zahlreichen Serben, die in Ksamil, einem Badeort im Süden Albaniens urlauben. Milinko sei sich sicher, dass das große Interesse für Albanien nur noch heuer andauern werde und dass es seine Landsleute im kommenden Sommer wieder ins geliebte Griechenland ziehen werde. 

Kaffee am Strand unter einem Euro

Für die meisten Serben ist nicht nur das Fehlen von Corona-Beschränkungen ausschlaggebend für einen Urlaub in Albanien, sondern auch die günstigen Unterkünfte. Auf booking.com kann man etwa für Anfang August ein mit "hervorragend" bewertetes Appartement bereits ab 220 Euro die Woche buchen. Auch die Preise am Strand sind erschwinglich. So bekommt man einen türkischen Kaffee für 80 albanische Lek bzw. 70 Cent (Anm.: 122 Lek sind 1 Euro), für einen Cafe Latte blättert man 250 Lek hin. 

Auch ein Restaurantbesuch bedeutet keinen schweren Schlag für die Brieftasche. So kostet eine normale Pizza umgerechnet 3 bis 5 Euro, für ein Rissoto mit Meeresfrüchten bzw. ein Kalbsteak muss man um die 8 Euro auf den Tisch blechen. Die Preise sind also auch an der Küste - fairerweise - der äußerst schwachen Kaufkraft der Einheimischen angepasst.

Platz 1 im unrühmlichen Ranking

Albanien gehört seit Jahren zu den ärmsten Ländern Europas, der Mindestlohn betrug laut Eurostat-Berechnungen 242,52 Euro. Das ist zugleich der niedrigste Wert auf dem alten Kontinent. Übrigens, in diesem unrühmlichen Ranking trennt Albanien und Serbien nur Nordmazedonien, das Mindestgehalt ist in Serbien mit 370,53 Euro das drittschlechteste Europas. 

“Wir sind jahrelang nicht ans Meer gefahren, weil es immer andere Prioritäten gab. Nun haben wir ausgerechnet, dass wir mit relativ wenig Geld 20 Tage am Meer verbringen können", erzählt Aleksandra, eine andere serbische Touristin in Ksamil. Sie sei sehr zufrieden mit den Gastronomen hier, man sei trotz ewig angespannter Beziehungen den Serben gegenüber sehr freundlich und werde sogar auf Serbisch begrüßt.   

Der Trend

"In den letzten Jahren habe ich während meiner Urlaube an der Küste mehrmals den Dolmetscher spielen müssen", berichtet der albanische Mazedonier Ferdi O. Der Friseur aus Wien, der Bosnisch/Serbisch/Kroatisch spricht, habe beobachtet, dass sich zunehmend Menschen aus dem Ex-Jugoslawien für eine Reise nach Albanien entscheiden. Vor allem die Bosnier sollen neben den Serben dem viel näher gelegenen Kroatien den Rücken gekehrt haben, sagt er.

Auch Vito (38) aus Korneuburg fährt jedes Jahr mit seiner Familie in seine albanische Heimat. Auch er höre immer öfter Serbisch am Strand. "Wir freuen uns über jeden Touristen, da das Land einiges aufzuholen hat. Aber der Trend im Tourismus geht nach oben, dementsprechend geht es dem Land dann besser. Das albanische Volk begrüßt diesen Trend sehr", sagt Vito. 

Die ehemalige serbische Provinz Kosovo, in der mehrheitlich Albaner leben, ist seit Jahrhunderten der Zankapfel zwischen Serben und Albanern. 2008 hat der Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt und wurde bis heute von Serbien, aber auch vielen anderen Staaten, nicht anerkannt. 

Zur Begründung ihrer Ansprüche auf das Kosovo beziehen sich die Serben auf die Geschichte. Das gleiche tun auch die Albaner.

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