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07/21/2021

Mord per App an einer Transsexuellen Frau

In Österreich unter Schutz, in ihrer Heimat Ziel eines blutigen Handyspiels: Kristy Labadze floh wegen transfeindlichen Drohungen und Diskriminierung aus Georgien

von Naz Kücüktekin

Die App „100 dumb ways to kill Kristy Labadze“, zu Deutsch „100 blöde Wege, wie man Kristy Labadze töten kann“, war ganz einfach im Google Playstore zu finden.

Ziel des Spieles: Eine junge Frau mit vollen Lippen und schwarzen Haaren zu töten – etwa durch erstechen oder überfahren. Zusätzlich heißt es noch: „Am Ende ist kein Weg, ein blöder Weg, wenn man Kristy Labadze tötet.“ Mehr als 10.000-mal wurde sie heruntergeladen. Der Haken: Kristy Labazde ist eine reale Person und die App alles andere als ein Spiel für sie. Die Georgierin, die offen als transsexuelle Frau lebt, hatte in der Vergangenheit schon mit Morddrohungen und Angriffen zu kämpfen. Aber eine eigene App, in der ihr Mord durchgespielt wird, hätte sie nicht für möglich gehalten.

Georgien gilt als sehr konservatives Land. Die orthodoxe Kirche ist in der Kaukasusrepublik äußerst mächtig. Es kommt immer wieder zu homo- oder transfeindlichen Übergriffen von religiös motivierten Fanatikern. Im Zuge der Pride-Parade in Tiflis  Anfang Juli  wurden über 50 Personen von Angreifern verletzt. Ein Kameramann starb an den Folgen der Verletzungen. Regierungschef Irakli Garibaschwili hatte sich schon im Vorfeld gegen die Pride-Parade ausgesprochen. Einzelne Priester riefen sogar explizit zur Gewalt auf. Patriarch Ilja II. war zwar für einen friedlichem Protest und Gebete, sprach aber ebenfalls von einem „pervertiertem Lebensstil“ und von „LGBTIQ+-Propaganda-Aktivitäten“. Das hat auch die internationale Gemeinschaft alarmiert: Botschafter aus 16 EU-Staaten, sowie Großbritannien und die USA veröffentlichten im Juli eine gemeinsame Protestnote, in der  die Angriffe verurteilt wurden

Kristy Labadze wurde in Georgien als Mann geboren. Seit mehreren Jahren lebt sie offen als transsexuelle Frau und war schon in Georgien in der LGBTIQ-Szene aktiv. Im konservativ, orthodox geprägten Land kein leichtes Unterfangen. „Aber ich wollte mich nicht mehr verstecken“, sagt sie. Beleidigungen, körperliche Angriffe oder Morddrohungen – auch von ihrer eigenen Familie – waren für sie Alltag. „In Georgien kannst du als Transfrau auch nicht zur Polizei gehen. Die sind mehr Feind als Unterstützung“, sagt Labadze.

Nicht allzu viel erhoffen

Ihr Asylantrag vom 12. Oktober 2019 fiel negativ aus. Begründet wurde das damit, dass man ihr ihre Geschichte zwar glaubt, aber sie nicht unter staatlicher, sondern nur privater Verfolgung stehe.

Georgien zählt laut der Herkunftsstaaten-Verordnung zu den sicheren Herkunftsländern.  „Die Hälfte der Länder, die aber hier als sicher gelten, sind es nicht für LGBTIQ-Personen. Länder wie die Ukraine oder Tunesien sind auch auf dieser Liste“, kritisiert Kroemmer vom Verein Queer Base. Sie ging gegen die Entscheidung in Berufung. Das Bundesverwaltungsgericht verwies die Entscheidung an die erste Instanz, das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, zurück. Die Begründung: Mängel bei der Untersuchung und Befragung. Derzeit steht sie in Österreich unter subsidiärem Schutz, das sie in Georgien kaum Zugang zum Arbeitsmarkt hat.

Und jetzt die App. „Mit den jüngsten Ereignissen muss sie Asyl bekommen. So was habe ich noch nie erlebt“, betont Kroemmer nach mehreren Stunden in der Polizei Inspektion und einer Strafanzeige gegen den Programmierer – einen Georgier, dessen Name, samt Tiktok-Kanal, mit ein paar Klicks zu finden ist. „Die App laden sich Jugendliche runter, und lernen, dass man gewinnt, wenn man eine Transfrau tötet“, zeigt sich Labadze entsetzt. Wie so eine App überhaupt von Google zugelassen werden konnte und ob es nun Folgen für den Nutzer, der noch zwei andere Apps im Playstore hat, geben wird? Auf Anfrage heißt es von Google: „Alle Apps bei Google Play müssen unseren Richtlinien entsprechen. Wir können keine Kommentare zu einzelnen Apps abgeben, aber, wenn wir über eine App benachrichtigt werden, die gegen unsere Richtlinien verstößt, überprüfen wir sie und ergreifen Maßnahmen.“

Seit Montagabend ist das „Spiel“ nicht mehr im Playstore zu finden. Die Downloads bleiben allerdings auf den Handys der Nutzer aktiv. Und in Bezug auf die Anzeige ließ die Polizei Labadze schon gleich wissen: „Sie soll sich davon nicht allzu viel erhoffen“, so Queer Base.

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