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01/14/2022

"In die Schule zu gehen, war immer mein Traum"

Wie außergewöhnliche SchülerInnen mit Migrationsgeschichte gefördert werden.

von Naz Kücüktekin

"In die Schule zu gehen, war immer mein Traum", erzählt Narges. Die 17-Jährige stammt aus Afghanistan. Bis zu ihrem 10. Lebensjahr war Bildung für sie, ein Mädchen aus in einem Land, in dem seit Jahrzehnten Krieg herrscht, nur eine Wunschvorstellung. Erst mit der Flucht nach Österreich konnte Narges erstmals eine Schule besuchen.

"Wollte mit anderen reden können"

"Am Anfang war es sehr schwer, aber ich wollte unbedingt lernen und mit anderen reden können", erinnert sie sich zurück. Mit viel Arbeit, Fleiß und einer großen Portion Motivation gelang ihr das auch. Mittlerweile zählt die Schülerin zu den besten ihrer Klasse. Nächstes Jahr wird sie maturieren. Danach will Narges Medizin studieren, um Ärztin zu werden. 

Große Ambitionen scheinen hier bei START alle zu haben. 2006 in Wien von der Crespo Foundation initiiert, gibt es das Stipendienprogramm mittlerweile auch in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg. Neben Förderstunden, Beratungen, gemeinsamen Workshops und Freizeitaktivitäten, werden die Stipendiaten auch finanziell sowie materiell unterstützt - mit 100 Euro monatlich plus einem Laptop und Drucker.

Bei START werden vor allem Schüler aus bildungsfernen Familien unterstützt. Denn Bildung wird in Österreich noch immer vor allem eines: vererbt. Sprich, wenn die Eltern schon maturiert haben, machen es deren Kinder sehr wahrscheinlich auch. Und umgekehrt eher nicht.

Ünterstützung von außen

"Neben dem persönlichen Engagement jeder und jedes Einzelnen braucht es dazu noch die Unterstützung von außen, um Jugendlichen aus einkommensschwachen Haushalten mit Migrationsgeschichte ein selbstbestimmtes Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu ermöglichen", erklärt Geschäftsführerin Katrin Bernd.

So auch bei Mariam. Die 19-Jährige wurde zwar in Österreich geboren, verbrachte aber einen Großteil ihrer Kindheit in Ägypten. Vor ein paar Jahren schlug es die Familie allerdings wieder nach Wien zurück. "Im Grunde musste ich Deutsch wieder komplett neu lernen", erzählt die Schülerin. Doch lernen mache ihr Spaß, die Schule sei für sie ein Ort der Bereicherung, wo sie liebend gern hingehe. "In meiner Schule verstehen das viele nicht. Da ist man dann gleich der Streber. Aber hier ist das anders. Hier pushen wir uns alle gegenseitig. Es sind alle motiviert. Vor allem während Corona und Distance Learning hilft mir das sehr", sagt Mariam, mit einer Begeisterung, die einen ein wenig neidisch werden lässt.

Es ist ihr drittes Jahr bei START. Nach der Matura soll es sie für nach Linz gehen. "Dort interessiert mich besonders ein Studiengang, der Recht und Informatik miteinander vereint", sagt Mariam.

In fünf Jahren zum Einserschüler

Von der engagierten Stimmung bei den Förderstunden oder Workshops, profitiere man sehr, findet auch Muhid. Der 17-Jährige ist damals aus Afghanistan geflüchtet und lernte erst vor fünf Jahren Deutsch. Heute ist er ein Einserschüler, stellvertretender Schulsprecher und wird nächstes Jahr maturieren. Danach möchte Muhid Global Studies studieren. "Ich interessiere mich sehr für Menschenrechte, Frauenrechte und Internationales Recht", so der Schüler.

Wirtschaftliche Fächer seien bei den Stipendiaten besonders beliebt. 203 Jugendliche mit Migrationsgeschichte hat START Wien seit 2006 auf ihrem Weg zur Matura unterstützt. 60 Prozent der AbsolventInnen studieren oder haben ihr Studium bereits abgeschlossen.

Aktuell werden 47 Jugendliche begleitet und betreut.

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