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Mehr Platz
07/12/2022

Immobilienboom in der Türkei: Mittlerweile sogar für Russen zu teuer

Die Immobilienbranche verzeichnet trotz Rekordinflation ein beachtliches Wachstum - zumindest bis jetzt noch.

Ein bisschen absurd klingt es schon: Während die Türkei mit einer Rekordinflation von mittlerweile 80 Prozent kämpft, erleben so manche Bereiche dennoch ein beachtliches Wachstum. So etwa die Immobilienbranche.

Laut den zuletzt veröffentlichten Zahlen des türkischen Statistikinstituts wurden im Monat Mai 122.768 Immobilien verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von 107,5 Prozent. Wie sich das erklären lässt?

Durch die immer mehr schwindende Kaufkraft, können sich zwar Inländer immer weniger leisten, dafür aber Menschen aus dem Ausland. Der Verlust der türkischen Währung machte Käufe für ausländische Investoren preislich attraktiver. So konzentrierte sich auch die türkische Immobilienbranche immer mehr auf kaufkräftige Kunden aus dem Ausland. Die Anzahl von türkischen Immobilien, die von ausländischen Staatsbürgern gekauft wurde, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 235,7 Prozent an.

Russland auf dem ersten Platz

Vor Ländern wie Iran oder Irak machte Russland den ersten Platz bei Investoren aus dem Ausland. Kaufkräftige Russen hatten die Türkei vor allem nach dem Beginn des Einmarsches in der Ukraine am 24. Februar als sicheren Hafen für ihr Geld entdeckt, während westliche Staaten mit Sanktionen auf den Krieg reagierten und dabei auch Einzelpersonen belegten. Zu Hochzeiten berichten türkische Makler, dass sie sieben bis acht Immobilien am Tag allein an Russen verkaufen würden.

Doch mittlerweile scheint die türkische Immobilienblase auch für Russen geplatzt zu sein.

Neues Gesetz

Aleksey Galtsev, der Gründer der russischen Immobilienagentur Realiste, warnte in der russischen Zeitung Kommersant russische Bürger, dass die Immobilienblase in der Türkei zu aufgeblasen sei. Galtsev sagte auch, dass russische Investoren sich von der Türkei abwenden und ihr Interesse nach Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten richten würden.

Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass mit 30. Juni ein neues Gesetz in der Türkei eingeführt wurde, wonach die Regionen, in denen es verboten ist, allein mit der Unterzeichnung eines Mietvertrags eine Wohnerlaubnis zu bekommen, von 781 auf 1200 erhöht wurden. Das Verbot betrifft einige Orte in der beliebten Küstenregion Antalya. Diese war gerade bei Russen hoch im Kurs.

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