"Die kroatische Polizei schlägt uns mit Brutalität immer wieder nach Bosnien zurück. Wir kommen noch vor, weder zurück: In Afghanistan herrscht Chaos", so Rasool.

© SOS Balkanroute

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09/21/2021

Geflüchteter afghanischer FIFA-Schiedsrichter: "Taliban sind alles außer Menschen"

Österreichische Flüchtlingshelfer entdeckten in einem Camp in Bosnien einen Mann, der zahlreiche Fußball-Matches gepfiffen hat.

Die Situation geflüchteter Menschen auf der Balkanroute wird immer prekärer. Um hundert Familien, inklusive Kindern, leben in einer Zeltsiedlung mitten auf einem Feld in der bosnischen Grenzstadt Velika Kladuša, etwas mehr als 200 Kilometer von Österreich entfernt. In dem wilden Camp müssen sie ohne Strom, Wasser und Heizung auskommen und sind auf die Versorgung von kleinen NGOs wie "SOS Balkanroute" angewiesen.

Nicht einmal hundert Meter weiter entfernt liegt eine weitere Zeltsiedlung mit gleich vielen Bewohnern, nur ein Maisfeld trennt die zwei Camps. Laut der neuesten Zählung vor Ort, die österreichische Flüchtlingshelfer durchgeführt haben, waren es 531 Menschen, darunter auch zahlreiche Neugeborene.

Vater von den Taliban gekidnappt

Mittendrin trafen die Aktivisten von "SOS Balkanroute" nicht nur einen Dolmetscher, der für die deutsche Bundeswehr in Afghanistan gearbeitet hat, sondern auch einen FIFA-lizenzierten Schiedsrichter. Ibrahim Rasool hat den FlüchtlingshelferInnen aus Österreich seine dazugehörigen Diploma und FIFA-Lizenzen des afghanischen Fußballverbandes gezeigt. Er hat in seiner Heimat zahlreiche offizielle Fußball-Matches gepfiffen.

Momentan hat er aber völlig andere Sorgen als Fußball: Sein Vater wurde in der Heimat von den Taliban gekidnappt. "Meine Mutter weiß nicht, wo mein Vater sich befindet. Es ist für euch schwierig zu verstehen, man kann es nicht verstehen. Das sind die Taliban, sie sind alles außer Menschen", erzählte Ibrahim Rool, der zusammen mit seinem Bruder aus Kabul geflüchtet ist, im Gespräch mit den Aktivisten von "SOS Balkanroute". Nun hat er die Gewalt, die er seitens der Polizei an der EU-Außengrenze erlebt hat, zu beklagen: "Immer wieder schlagen uns die kroatische Grenzpolizei mit Brutalität nach Bosnien zurück." 

Aufnahme von Flüchtlingen gefordert

"Diese hässlichen Bilder sind kein Zufall oder eine Momentaufnahme, sondern seit vier Jahren bittere Realität in Bosnien-Herzegowina. Wenn man afghanische Familien sieht, die vor den Taliban geflohen sind und deren Kinder jetzt auf schlammigen Feldern in Bosnien leben müssen, dabei immer wieder mit Gewalt von der kroatischen Polizei nach Bosnien zurückgedrängt werden, dann kann es nur eine menschenwürdige Antwort auf die neuerliche Krise geben: Evakuieren und in Europa aufnehmen!", fordert die österreichische NGO.

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