800.000 Bilder analysiert: Was uns die Modewelt vorgaukelt
Mehr Diversität, kein Magerwahn mehr auf Fashion-Fotos? Eine Studie hat Hunderttausende Fotos analysiert und hält der Mode-Welt den Spiegel vor.
Auf den Titelseiten von Magazinen und auf den Laufstegen der großen Modehäuser finden sich heute mehr Frauen unterschiedlicher Typen und Herkunft. Aber ist das wirklich eine Trendwende? Forschende, darunter auch Österreicher, haben 800.000 Fotos analysiert und das Ergebnis im Journal PNAS veröffentlicht.
Das Ergebnis: Mehr Diversität und verschiedene Körpertypen bekommt man zwar zu sehen, das sind aber nur "Ausreißer". Am Körperideal hat sich in den vergangenen 25 Jahren nicht viel geändert.
Die "kulturelle Evolution der Schönheitsstandards", so der Titel der Studie ("Cultural evolution of beauty standards"), scheint es nicht wirklich zu geben. Der dänische Forscher Louis Boucherie und sein Team, unter anderem Katharina Ledebur vom Complexity Science Hub (CSH) Wien und Doktoratsstudentin Karolina Sliwa von der WU Wien, haben 793.199 Aufnahmen aus den Jahren 2000 bis 2024 unter die Lupe genommen.
Untersucht wurden Bilder von Modeschauen, aus der Werbung, von Titelseiten verschiedener Magazine sowie redaktionelle Beiträge aus aller Welt.
Warum "Body Positivity" nicht ankommt
Die Vielfalt, vor allem Körpermaße und -formen, habe sich bei weiblichen Models tatsächlich seit 2000 vergrößert. Das Ideal, nämlich "weiß" und eher dünn, hält sich aber hartnäckig. Bei Größe, Hüft- und Taillenumfang etc. sind die Ansprüche am Laufsteg bis hin zu den Medien gleich.
"Natürlich gibt es seit geraumer Zeit eine starke Bewegung, die eine größere Vielfalt an Körpergrößen fordert", sagte Ledebur. Viele Marken reagierten und engagierten vielfältigere Models. Doch die Daten zeichnen ein anderes Bild: Die Vielfalt der Körpertypen habe zugenommen, aber das durchschnittliche Ideal habe sich nicht geändert. "Es ist also eine symbolische Veränderung, aber keine strukturelle."
Selbst "Plus Size" dünner als der Durchschnitt
Der "Body Positivity"-Initiative zum Trotz gibt es einen großen Unterschied zwischen den Idealen der Modewelt und dem, wie Frauen in der wirklichen Welt aussehen. Die Forschenden verglichen US-Models mit Gesundheitsdaten der US-Bevölkerung. Selbst Plus-Size-Models liegen dabei im Schnitt "noch knapp unter den Körpermaßen der durchschnittlichen US-Amerikanerin", so die CSH-Forscherin.
Nicht-weiße Models oft auch "Plus Size"
Der Anteil nicht-weißer Models sei zwar von rund 13 Prozent im Jahr 2011 auf über 40 Prozent in den letzten Jahren gestiegen. Doch es sind häufig vor allem Plus-Size-Models. Nicht-weiße Models haben laut Studie eine 4,5-mal höhere Wahrscheinlichkeit, auch die Plus-Size-Kategorie zu repräsentieren.
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