Mager und weiß dominieren die Laufstege: Rückkehr des Heroin-Chic?
Die Mailänder Modewoche für Männer sei ein Rückschritt in die Nullerjahre, kritisieren Beobachter.
Dünner Heroin-Chic à la Kate Moss und Nicole Richie, Diversität auf dem Laufsteg Fehlanzeige: So präsentierte sich die Modewelt zu Beginn der Nullerjahre.
Mehrere Fashion-Insider orten nun eine beunruhigende Rückwärtsbewegung in genau diese Ära. Einer von ihnen ist Hanan Besovic (Instagram: @ideservecouture), der beim Blick auf die jüngsten Mailänder Laufstege von einem klaren Backlash spricht. Dort wurden die Männerkollektionen für Herbst/Winter 2026 gezeigt.
Besonders auffällig: Die italienische Kultmarke Dolce & Gabbana castete ausschließlich weiße Models. Selbst Topmodel Bella Hadid kritisierte das Casting offen in den sozialen Medien. Ein Influencer kommentierte die Show bissig als "50 Shades of White".
Dolce & Gabbana
©EPA/MATTEO BAZZI
Dolce & Gabbana
©APA/AFP/MARCO BERTORELLODas homosexuelle Designerduo Domenico Dolce und Stefano Gabbana ist bereits mehrfach durch polarisierende Aussagen aufgefallen. In der Vergangenheit sprachen sie sich öffentlich gegen die Adoption von Kindern durch schwule Paare aus. 2016 sorgten sie für Aufsehen, als sie Lederschuhe ihrer Kollektion als "Sklavensandalen" bezeichneten.
Magermodels sind zurück
Auch Prada wurde dieses Mal kritisch beäugt. Das italienische Luxushaus schickte extrem schmale, lange Mäntel über den Runway – getragen von auffallend dünnen Models. "Diese Mäntel sehen sogar an diesen mageren Körpern noch eng aus", kommentierte Besovic. Ein ästhetisches Signal, das sich laut Beobachtern bereits seit Monaten verstärkt abzeichnet.
Schon im Vorjahr diagnostizierte die New York Times unter dem Titel "Why Ultrathin Is In Again", dass Models auf den Laufstegen noch dünner werden als sie es ohnehin schon waren. "Wenn es um Models geht, scheint die Revolution der Körpervielfalt an ihr Ende gekommen zu sein", so Modekritikerin Vanessa Friedman.
Prada
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Prada
©APA/AFP/STEFANO RELLANDINIBeinahe keine Plus-Size mehr zu sehen
Eine Analyse von Vogue Business, die alle offiziellen Shows im Herbst 2025 untersuchte, untermauert diesen Befund mit Zahlen: Nur zwei Prozent der Models galten als mittelgewichtig, lediglich 0,3 Prozent als Plus-Size. Im Frühjahr 2025 waren es noch vier Prozent beziehungsweise 0,8 Prozent.
Das Pendel schlage nun wieder deutlich in die andere Richtung aus, erklärte auch der Gründer der Modelagentur DNA Model Management.
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