Haute Couture: Wer ist der beste Modemacher?
Daniel Roseberry macht Schiaparelli zum Fashionhaus der Stunde, Matthieu Blazy verleiht Chanel neue Zurückhaltung.
Paris wird diese Woche nicht einfach Mode gezeigt – es wird Macht inszeniert. Die Haute-Couture-Kollektionen gelten als höchste Disziplin der Branche, mit Kleidern, die ab 100.000 Euro zu haben sind. Kreativität und Handwerkskunst stehen über Verkaufszahlen und schnellen Trends. Die hohe Schneiderkunst entscheidet, welche Chefdesigner tatsächlich als beste Modemacher gelten, abseits von Stargästen und Werbekampagnen.
Die Antwort lautet bisher eindeutig: Daniel Roseberry. Der Amerikaner hat Schiaparelli aus dem Dornröschenschlaf geholt und ist heute der Superstar der Haute Couture. Statt Seide verarbeitet er diese Saison lieber Silikon, lässt das alte Modehaus in die Zukunft gehen mit avantgardistischen Looks, die aber nie wie bloße Kunstobjekte wirken. Seine Entwürfe sind exzentrisch, aber auch tragbar und vor allem eines: auf den ersten Blick als Schiaparelli zu erkennen – ein Luxus, den heute nur noch wenige Häuser besitzen.
Meister der Haute Couture: Der Texaner Daniel Roseberry macht Schiaparelli zur Top-Marke.
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Schiaparelli
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Schiaparelli
©HerstellerErwachsen, aber leicht
Dass Couture längst auch die Popkultur prägt, zeigt sich an den aktuellen Hochzeiten von Prominenten: Dua Lipa heiratete standesamtlich in einem maßgeschneiderten Schiaparelli-Look, für die große Feier setzte sie anschließend auf Chanel. Und bei Taylor Swift sorgt derzeit die Frage nach ihrem Hochzeitskleid für viele Spekulationen.
Dior Brautkleid Haute Couture Fall/Winter 2027
©REUTERS/Sarah MeyssonnierDior Haute Couture lieferte mit der neuen Kollektion eine mögliche Vorstellung davon, wie das Brautkleid des Popstars aussehen könnte, denn Anderson schneiderte für Swift und Ehemann Travis Kelce persönlich. Chanels Haute Couture von Matthieu Blazy wirkt dieses Mal noch mehr wie aus einem Guss: sehr angezogen, sehr erwachsen und dennoch erstaunlich leicht. Er setzt weniger auf klassische große Abendroben, zeigt viele Kostüme und Mäntel, feine Transparenzen und präzise gearbeitete Details. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Handwerkskunst hinter den scheinbar mühelosen Looks.
Chanel
©APA/AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT
Chanel
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Chanel
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Chanel
©APA/AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELTAuffällig ist, wie sehr sich Blazy und Jonathan Anderson für Dior in ihrer Bildsprache annähern. Beide schaffen künstliche Blumenwelten als Kulisse, beide setzen auf poetische Naturbilder. Eingespieltes Vogelgezwitscher und Grillengezirpe inklusive. Man könnte das Set-Design austauschen, ohne dass es jemandem auffallen würde. Während Blazy dabei ein klares, elegantes und geschlossenes Gesamtbild vermittelt, wirkt Dior verspielter und ohne roten Faden. Anderson bleibt mit seiner Ready-to-wear der spannendere Designer. Die Haute Couture hebt sich davon zu wenig ab.
Dior
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Dior
©APA/AFP/KENZO TRIBOUILLARDFeiner Zwirn bei 35 Grad
Große Namen wie Balenciaga – erstmals unter Pierpaolo Piccioli –, Jean Paul Gaultier – erstmals unter Duran Lantink –, Zuhair Murad und Elie Saab stehen in den kommenden Tagen in der französischen Hauptstadt noch in den Startlöchern. Bisher aufgefallen: die hyperfeminine Tamara Ralph mit perfektem Tailoring – zu deren Fans Amal Clooney und Angelina Jolie gehören –, Georges Hobeika mit viel Opulenz und unglaublichen Stickereien sowie futuristische Kunstwerke und Masken bei Iris van Herpen.
Tamara Ralph
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Tamara Ralph
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Georges Hobeika
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Georges Hobeika
©APA/AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELTTeilchenbeschleuniger
Van Herpen, die sich der Verbindung von Mode und Wissenschaft verschrieben hat, erzeugte mit einem Teilchenbeschleuniger einen Teil des Kleides direkt auf dem Laufsteg. Das Model präsentierte ein schwarzes, handbesticktes Kleid mit einem silbernen Fraktalmuster, das sich asymmetrisch auf eine Schicht aus transparentem Tüll ausbreitete. Der andere Teil des Kleides wurde in einem Teilchenbeschleuniger bei minus 100 Grad Celsius hergestellt; der Rest des Kleides senkte sich von oben auf das Model herab. Während sich das Model auf dem Laufsteg bewegte, gab das Kleid Milliarden hochgeladener Teilchen ab, die für das menschliche Auge kaum sichtbar waren. Dazu Iris Van Herpen nach der Show:
„Ich hatte schon länger die Idee, einen Look zu kreieren, der immateriell ist, wie eine Atmosphäre oder eine Energie an sich. Ich denke, ein Kleid aus der Kollektion kommt dem bisher am nächsten, da es aus Plasma besteht und auf die Bewegungen des Körpers reagiert. Es ist die Kombination aus dem Glas, das es hält und erdet, und dem Plasma, das ein Eigenleben entwickelt – und genau das ist eines der Kernstücke der Kollektion. Es war eine große Herausforderung, dieses Ziel zu erreichen, aber ich denke, es ist ein Schritt näher an diese immaterielle und reine Vision, die ich schon lange im Kopf habe.“
Was alle eint: Die Hitze bei gut über 30 Grad in Paris, die unzähligen Mitarbeitern, aber auch den Gästen der vielen Schauen zu schaffen macht.
Iris van Herpen
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Iris van Herpen mit Model
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