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Lifestyle Fragen an das Leben
03/19/2020

Wie zerschlage ich "Coronapartys"?

In Zeiten wie diesen ist Zivilcourage gefragt - eine Psychologin erklärt, wie.

von Julia Pfligl

Mexikanisches Flaschenbier gegen den Durst, Desinfektionsmittel als Party-Accessoire: Während sich der überwiegende Teil der Bevölkerung vorbildlich an das von Medizin und Regierung ausgegebene Gebot der Stunde – Social Distancing –  hält, nehmen einige wenige das Virus  trotz Mahnungen und angedrohter Kontrollen als Anlass zum Feiern. 

Warum „Coronapartys“ überhaupt noch stattfinden? „Dahinter steckt entweder Unwissen oder Rebellion“, erklärt die Wiener Psychologin und Persönlichkeitstrainerin Natalia Ölsböck.

„Möglicherweise pubertär bedingt, oder wenn jemand grundsätzlich ein Problem mit Vorschriften und Regeln hat. Gesellschaftskritische Menschen stellen die Vorschriften zwar in Frage und tun dies in den sozialen Medien kund, würden jedoch selber keine solchen Handlungen setzen.“

Damit sich die Pandemie weiter und schneller verbreitet, braucht es aber gar nicht erst eine ausschweifende Party – auch ein Spaziergang in der Gruppe oder ein Kaffeeklatsch auf dem Balkon kann die Infektionsrate vorantreiben und sollte demnach unbedingt unterlassen werden.

Zivilcourage bitte!

Noch vor wenigen Tagen sorgten volle Skihütten und Einkaufstraßen für Ärger, auch jetzt  häufen sich in den sozialen Netzwerken und bei der Polizei Beschwerden über   Personenansammlungen, oft im eigenen Wohnhaus. Das gesteigerte Bewusstsein in der Bevölkerung ist positiv, jedoch sollte man andere – falls möglich – besser direkt auf das Fehlverhalten hinweisen, sagt die Psychologin. Zivilcourage ist gefragt, von Vernaderung könne höchstens dann die Rede sein, wenn man statt mit jemandem über jemanden spricht. 

In einer ohnehin angespannten Atmosphäre, in der viele emotional an ihre Grenzen gelangen, stellt dies durchaus eine zwischenmenschliche Herausforderung dar. Wie also begegnet man Coronapartytigern und anderen Rudeltieren, ohne die Situation noch mehr zu verschärfen oder den Nachbarschaftsfrieden zu riskieren? 

Bei allem (berechtigten) Ärger: „Freundlich, höflich und direkt“, empfiehlt Natalia Ölsböck.  „Zuerst als Bitte äußern und an die Vernunft appellieren. Machen Sie darauf aufmerksam, dass wir alle zusammenhalten sollten und Zivilcourage gefordert ist, um unsere älteren und kranken Mitbürger zu schützen.“ Aggression oder Beschimpfungen bringen niemandem etwas und können rasch nach hinten losgehen.

Bilder statt Worte

Sollte der Appell an die Vernunft und Solidarität nicht fruchten, hilft vielleicht dieser anschauliche Vergleich:  Wenn er oder sie wüsste, dass von seinen oder ihren hundert Flaschen  Bier drei vergiftet sind – würde er oder sie das Bier dennoch trinken oder seinen Freunden zu trinken geben?
„Genauso ist es momentan in unserer Gesellschaft“, so Ölsböck. „Wir wissen nicht, welche Leute das Virus in sich tragen und gefährden andere, indem wir aus drei in kurzer Zeit dreißig und mehr machen.“

Es kann nicht oft genug betont werden: Auch im Zeitalter von Covid-19 muss niemand auf soziale Kontakte, auf Lachen mit Freunden und Tratschen mit Kollegen verzichten. In vielen Familien und Cliquen wurde das Videotelefonat zu einem neuen Ritual, wie unzählige Fotos davon im Netz zeigen. Dabei wird niemand angesteckt, man kann gemeinsam zum „Händewaschsong“ des Roten Kreuzes tanzen und Spritzer trinken. Oder mexikanisches Flaschenbier.