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Erfolgreich altern
11/04/2012

Die Chancen und Ressourcen sehen

Das Altern ist nichts Schicksalshaftes: Wer versucht, es aktiv zu gestalten, lebt zufriedener.

von Ernst Mauritz

Wer „erfolgreich“ altert, wirkt auf den ersten Blick meist jünger: „Diese Menschen sind körperlich gesünder, aktiver und unternehmungslustiger“, sagt Univ.-Doz. Gerald Gatterer, Leiter der Fachsektion Gerontopsychologie im Berufsverband Österreichischer PsychologInnen. Er hält am Samstag, 10. 11., beim „Tag der Psychologie“ ein Hauptreferat zum Thema „Erfolgreich altern – was kann man tun?“ (Programm siehe unten) .

„Die Lebenseinstellung macht den großen Unterschied“, sagt Gatterer. „Das erfolgreiche Altern beginnt bereits in jungen Jahren: Dass ich das Thema nicht verdränge, sondern mich mit einer positiven Einstellung darauf vorbereite.“ Ein „falsch verstandener Jugendkult“ sei nicht der richtige Weg: „Wenn ich nur jung bleiben möchte, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo Körper und Geist mir rückmelden, ‚du bist ja gar nicht mehr so jung‘. Und dann wird es heikel.“

Vielmehr gehe es darum, jugendliche Aspekte in den Alterungsprozess einzubauen: „Die Freude, die einem bestimmte Dinge schon bisher bereitet haben – etwa Essen und Trinken, Freunde treffen, bestimmte Hobbys – das verändert sich ja nicht, auch wenn sich mein Körper verändert.“ Wer an einer Erkrankung leidet, müsse lernen zu sagen, ,ich bin mehr als diese Erkrankung – und ich muss deswegen jetzt nicht alles aufgeben, was mir bisher Freude bereitet hat‘.“

Ressourcen

Menschen mit einer negativen Herangehensweise sehen das Alter als etwas Schicksalhaftes, Unabwendbares. „Personen, die erfolgreich altern, sehen es hingegen als etwas, das sie selbst mit ihrem eigenen Verhalten beeinflussen und gestalten können. Sie sehen ihre Ressourcen und ihre Möglichkeiten auch im Alter.“

Wem dies schwerfalle und wer sich im Alter an gar nichts mehr erfreuen kann, dem könne z. B. eine psychologische Behandlung helfen: „Die ist genauso wirksam wie Medikamente“, betont Gatterer.

Reisen im Alter sei „ein wichtiger Teil, aber ich kann vor meinem Alter nicht in die Ferne flüchten.“ Es sei wichtig, auch zu Hause ein sinnerfülltes Leben zu führen und die Wohnung den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu gestalten.

„Es gibt ältere Menschen, die sagen, ,ich bin jetzt 80, meine Möbel sind abgewohnt, aber für die paar Jahre zahlt es sich nicht mehr aus, noch etwas zu verändern‘. Doch das ist falsch, denn dann verstärkt das abgewohnte Umfeld solche negativen Stimmungen.“

Es sei generell wichtig, von dem Defizitdenken – „ich bin schon alt, ich kann nichts mehr tun“ – wegzukommen: Zielführender ist es zu sagen: ,Wo liegen meine Chancen und Möglichkeiten?‘ Und das Schöne ist: Es gibt immer Chancen und Möglichkeiten.“

Den Erfahrungsschatz Älterer besser nützen

Ulla Konrad ist Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen.

KURIER: Warum greifen Sie gerade jetzt das Thema „Das Alter leben“ auf?
Ulla Konrad: Es ist sehr mit den Themen Arbeit und Pension verknüpft. Da ist es uns Psychologen wichtig zu sagen: Arbeit ist eine wichtige Säule für die psychische Gesundheit. Deshalb ist es sehr bedauerlich, wenn ältere Arbeitnehmer gekündigt werden und das Gefühl haben, sie sind nichts mehr wert. Wir brauchen Veränderung in zwei Bereichen: Einerseits müssen sich Unternehmen und Politik überlegen, wie der Erfahrungssschatz und die Reife älterer Mitarbeiter besser genützt werden können. Ältere Arbeitnehmer, die schon lange in einem Unternehmen sind, sind eine enorm wichtige Konstante. Das Zweite ist, dass in den Köpfen der Menschen ein Umdenken stattfinden muss: Ich muss mir mit 45, 50 Jahren überlegen, wie ich meine letzten 15, 20 Berufsjahre gestalten will.

Aber ist nicht für viele ein möglichst früher Pensionsantritt das höchste Ziel?
Die Frage ist: Wie kommt es dazu? Wieso geht die Motivation verloren? Es wird immer Anstrengungsvermeider geben, aber sie sind die Ausnahme. Wenn die Rahmenbedingungen in den Unternehmen besser wären, gäbe es weniger Frühpensionierungen. Eine erfüllte Arbeit hat immer auch eine soziale Komponente: Ich tausche mich mit den KollegInnen aus, erfahre Feedback und Wertschätzung. Wo das Umfeld stimmt, ist nicht nur die Arbeitszufriedenheit höher, auch die Krankenstände sind niedriger. Wir werden auch über neue Arbeitszeit- und Arbeitsmodelle reden müssen: Ein 65-Jähriger muss nicht alle drei Monate eine neue Computertechnologie erlernen. Aber er kann den Zusammenhalt innerhalb eines Teams fördern, er kennt die Abläufe, hat das grundlegende Wissen. Firmen die das schätzen, werden davon sehr profitieren. ArbeitspsychologInnen sind auf diesem Gebiet die Profis, die Unternehmen am besten beraten können.

Info: Tag der Psychologie im Rathaus
Thema „Das Alter leben – Geachtet. Selbstbestimmt. Umsorgt“ ist das Thema des „Tages der Psychologie“ am Samstag, 10. 11., von 10 bis 17 Uhr im Festsaal des Wiener Rathauses, Eingang Lichtenfelsgasse (freier Eintritt, barrierefreier Zugang).

Programm 10.00–10.30 h: Erfolgreich altern – was kann man tun?;

10.30–11.30 h: Das Altern der Zukunft – ohne einander und miteinander;

11.30– 12.00 h: Eröffnung;

12.00– 12.30 h: Hilfe – ich werde vergesslich! Ist das normal?

12.30 –13.30 h: Podiumsdiskussion: Das Alter leben – geachtet, selbstbestimmt, umsorgt;

13.30–14.00 h: Generationenkonflikte – was tun?;

14.00– 14.30 h: Mobilität von Senior­Innen;

14.30–15 h: Psychologischer Fachdienst im Seniorenheim;

15.00–15.30 h: Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige;

15.30– 16.00 h: Stationäre Betreuung älterer Menschen, ein Praxisfeld für die Psychologie;

16.00– 16.30 h: Suchtproblematik im Alter;

16.30–17.00 h: Alter(n)s- gerechtes Arbeiten! Was ist das, wie kann es realisiert werden?

 

Weblinks:

www.tagderpsychologie.at
www.boep.or.at

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