Schutz des Rückens: "Aufgabe fürs ganze Leben"

© Stephan BoroviczenyKURIER

Schutz des Rückens: "Aufgabe fürs ganze Leben"
09/22/2012

Schutz des Rückens: "Aufgabe fürs ganze Leben"

Viele Wege: Schmerz muss nicht schicksalshaft ertragen werden. Etliche Methoden können präventiv helfen.

Er ist 77 und "nach wie vor voll berufstätig": Univ.-Prof. Hans Tilscher, Vorreiter der konservativen (nicht operativen) Orthopädie und der manuellen Medizin: "Ich gehe zwei bis drei Mal in der Woche 30 Minuten laufen und mache zusätzlich täglich fünf bis zehn Minuten in der Früh heilgymnastische Übungen." Dabei stellt er sich etwa auf die Zehenspitzen, streckt die Hände nach vorne, spreizt die Finger, zieht den Bauch ein und hält den Hinterkopf hoch: "Das aktiviert." Fazit des beschwerdefreien Orthopäden, der nach wie vor drei Mal in der Woche in seiner Ordination ist und einen Präventionsverein leitet: "Der Schutz des Rückens ist eine Aufgabe für das ganze Leben."

Verschiedene Maßnahmen können Schmerzen vorbeugen – und sie lindern, wie die Beispiele auf diesen Seiten zeigen. Wie effektiv viele Behandlungen sind, zeigt sich etwa am Beispiel der Physikalischen Medizin: Mit einer Kombinationstherapie war laut einer Studie die Dauer von Krankenständen um 23,36 Prozent kürzer als ohne derartige Therapie. Von 114 Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates, die im Wiener Hanusch-Krankenhaus so behandelt wurden, benötigten danach zwei Drittel keine (Schmerz-)­Medikamente mehr. Tilscher: "Schmerz ist nichts Schicksalhaftes, das man hinnehmen muss."

Physiotherapie

Bei physiotherapeutischen Behandlungen spielen Arzt-Befund, Lebenswandel und Beruf des Patienten eine entscheidende Rolle, sagt (Sport-)Physiotherapeutin Isabella Schmid: "Ich arbeite problemorientiert, sehe den ganzen Körper und mache einen eigenen Befund." Daraus ergeben sich Behandlungen und Übungen für Patienten. Gerade beim Rücken sei Prophylaxe wichtig, die im Gegensatz zur Behandlung nicht verschreibungspflichtig ist: "Wenn Bewegungen eingeschränkt sind, lohnt es sich, das physiotherapeutisch abklären zu lassen." INFO:Dachverband der Physiotherapeuten (www.physioaustria.at)

Schmerztherapie

Ein langes Gespräch steht am Beginn: "Für uns ist alles wichtig, was der Patient erlebt hat", sagt die Anästhesistin Renate Barker, Leiterin der Schmerzambulanz im Krankenhaus St. Elisabeth in Wien. "Dazu arbeiten wir mit Orthopäden, Physikalischen Medizinern, Neurologen, Radiologen und Psychologen eng zusammen." Bei andauernden Schmerz-Syndromen ohne Besserung sollten Patienten einen auf Schmerz-Medizin spezialisierten Arzt aufsuchen: "Neben optimaler Medikamenten-Einstellung kann er Zusatz-Therapien wie Nervenwurzel-Blockaden anbieten ." INFO: www.oesg.at, www.elisabethinen-wien.at

Physikalische Medizin

Die Physikalische Medizin bietet ein umfassendes Angebot an Therapien – "deren individuelle Kombination führt bei vielen Patienten mit Rücken-, Kreuz- oder Gelenksbeschwerden zur Schmerzfreiheit", sagt Hans Malus, Facharzt für physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation in Wien. Beispiele sind die Elektrotherapie (reduziert das Schmerzempfinden) , Ultraschall (lässt im Gewebe Wärme entstehen, die Durchblutung verbessert sich, Schmerz wird gelindert) , Munari-Packungen (enthalten schmerzlinderndes Capsaicin) , Heil- und Reflexzonenmassage, Lymphdrainage, Unterwassertherapie, Heilgymnastik. INFO : www.orientierungshilfe-pmr.at

Manuelle Medizin

Nur wer einen Menschen angreift, begreift ihn", sagt der Orthopäde Univ.-Prof. Hans Tilscher, Vorreiter der Manuellen Medizin. Die manuelle Diagnostik hilft, Schmerzursachen aufzuspüren. Mit speziellen Griffen können etwa blockierte Gelenke wieder beweglich gemacht werden, Druck kann verspannte Muskeln entspannen, Traktionen ziehen ein Gelenk leicht auseinander und reduzieren so den Schmerz. "Wichtig ist auch zu ,ergreifen’, ob Gelenke hypermobil oder blockiert sind – je nachdem sind andere Übungen zur Schmerzlinderung erforderlich." Info: www.manuellemedizin.org, www.sos-koerper.at

Ergotherapie

Egal, ob im Beruf, im Haushalt oder bei Freizeit-Aktivitäten: "Wir geben Tipps, wie man seine Tätigkeiten so ausführen kann, dass der Rücken dabei entlastet wird", erklärt Barbara Frauscher, Ergotherapeutin am Orthopädischen Spital Speising. Sie zeigt präventiv – aber auch, wenn bereits Probleme vorliegen –, wie man seinen Bürosessel und den Bildschirm richtig einstellt oder wie der Geschirrspüler rückenschonend eingeräumt wird. "Ich gebe keine Übungen auf, sondern gebe den Patienten alltagstaugliche Tipps." INFO:  Bundesverband derErgotherapeuten Österreich, www.ergoaustria.at

Osteopathie

Oft haben chronische Schmerzpatienten keinen wirklichen Befund – hier versucht der Osteopath eine Diagnose zu finden, die sich nicht etwa auf einem Röntgenbild zeigen lässt, erklärt Prim. Andreas Kainz von der Wiener Privatklinik. "Wir sehen den Patienten ganzheitlich und nicht nur den Punkt, wo der Schmerz auftritt." Die Patienten von Kindern aufwärts bis ins hohe Alter werden sanft mit Praktiken behandelt, die in die Muskulatur, in die Faszien und ins Flüssigkeitssystem hineinarbeiten, um den Körper zur Selbstheilung zu stimulieren. INFO: Österreichische Gesellschaft für Osteopathie, www.oego.org

Akkupunktur

Bei chronischem Rücken- und Kreuzschmerz hat sich die Akupunktur vielfach bewährt. Bei vielen Patienten kommt es zu einem deutlichen Rückgang der Schmerzintensität", sagt die Allgemeinmedizinerin und Akupunktur-Spezialistin Daniela Stockenhuber von der Akupunkturambulanz im Krankenhaus Hietzing in Wien. "Akupunktur ist keine Zaubertherapie, aber sie ist teilweise wirksamer als Medikamente", erklärte kürzlich Klaus Linde vom Institut für Allgemeinmedizin am Klinikum rechts der Isar der TU-München, Co-Autor einer Studie zur Wirksamkeit der Akupunktur. INFO: www.akupunktur.at

Chiropraktik

Viele Menschen verbinden mit einer chiropraktischen Behandlung ruckartiges Einrenken. Wolfgang Kropshofer vom Institut Chiropraktik Kropshofer: "Die Chiropraktik ist keine gewaltsame Manipulation, ich arbeite mit schonenden Techniken, um die Wirbelkörper in die richtige Position zu bringen." Als ein Beispiel von vielen nennt er die Flexion/Dis­traction-Behandlung auf einer speziellen Liege, die sich in alle Richtungen bewegen lässt. Das führt zur Entlastung des Bandscheiben-Raumes, der Druck auf die Nervenwurzel verringert sich. INFO: www.chiropraktik-kropshofer.at

Weitere Heilungsmethoden finden Sie hier.

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