Lebensart | Gesundheit
23.04.2018

Meningitis: Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

Die Infektion kann lebensbedrohlich sein - Impfungen könnten das Riskio eindämmen.

Zum Welt-Meningitis-Tag am 24. April machen Gesundheitsorganisationen heuer unter dem Motto "All Meningitis Matters" auf die - oft nicht bekannten - Symptome und Präventionsmöglichkeiten aufmerksam. Verursacht durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten kann Meningitis in kurzer Zeit (24 bis 48 Stunden) zum Tod führen. Nicht nur Babys und kleine Kinder, auch Jugendliche sind oft Überträger.

Verantwortlich für Infektionskrankheiten wie Meningitis (Hirnhautentzündung) oder auch Blutvergiftung sind häufig Meningokokken (Neisseria meningitidis) - Bakterien, die beim Menschen den Hals- und Rachenraum besiedeln. Meningokokken-Erkrankungen sind in Österreich zwar relativ selten, weisen jedoch eine hohe Mortalitätsrate auf. Jeder zehnte Erkrankte stirbt trotz adäquater medizinischer Behandlung, jeder fünfte Überlebende leidet unter Langzeitfolgen wie Lähmungen, Hirnschäden, Amputationen oder Gehörverlust.

Bis zu hundert meldepflichtige Fälle werden jährlich in Österreich registriert. 2015 waren es in Österreich 27 invasive Meningokokken-Infektionen bei elf Todesfällen. 2016 stieg die Zahl der Erkrankungen laut dem Jahresbericht der Nationalen Referenzzentrale für Meningokokken erstmals seit 2009 wieder an: es wurden 37 Fälle gemeldet, drei Patienten überlebten nicht. Insgesamt starben zwischen 2003 und 2016 in Österreich 90 Personen - vor allem Kinder und Jugendliche - an den Folgen einer Meningokokken-Infektion. In Entwicklungsländern, etwa in afrikanischen Staaten unterhalb der Sahara, kommt es regelmäßig im Abstand von wenigen Jahren zu schweren Meningokokken-Epidemien.

Die Symptome einer Meningitis sind zu Beginn grippeähnlich und damit unspezifisch und mitunter schwer erkennbar. Später kommen extrem starke Kopfschmerzen, Nackensteifheit, hohes Fieber, Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit dazu. Zudem trägt der rasche Verlauf der Krankheit zu ihrer Gefährlichkeit bei - zwischen Ansteckung und Ausbruch liegen nach Angaben der WHO nur drei bis vier Tage. Die Übertragung der Meningokokken erfolgt durch Tröpfcheninfektion.

Gefährlich: Küssen und gemeinsam aus einer Dose trinken

Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche weisen das höchste Erkrankungsrisiko auf. Während erstere wegen ihres noch gering entwickelten Immunsystems besonders oft und schwer erkranken können, sind Jugendliche vor allem aufgrund ihres Sozialverhaltens gefährdet. Denn Meningokokken verbreiten sich bei engem persönlichem Kontakt - darunter fällt etwa Küssen und auch die gemeinsame Verwendung von Zigaretten, Getränken oder Kosmetik. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht in größeren Menschenmengen - zum Beispiel auf Partys, Festivals oder in Studentenheimen.

50 bis 70 Prozent der Infektionen werden in Österreich durch Meningokokken vom Serotyp B hervorgerufen, 30 Prozent vom Typ C. Bei den unter Einjährigen werden fast 90 Prozent der schweren Meningokokken-Erkrankungen durch Erreger vom Serotyp B verursacht. Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung tragen das Bakterium in sich, ohne zu erkranken, können es aber weitergeben. So stecken sich Menschen oft bei scheinbar Gesunden an.

Zugelassen sind derzeit prophylaktische Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppen B, C sowie eine kombinierte Impfung gegen Erreger der Gruppen A, C, W und Y. Der österreichische Impfplan empfiehlt die Immunisierung gegen die Typen B und C im Säuglings- bzw. Kleinkindalter sowie das ACWY-Vakzin für Schulkinder zwischen zehn und 13 Jahren. Auch Menschen, die durch ihre Arbeit (bestimmte Berufe im Gesundheitsbereich), Reisen, eine Immunschwäche oder den Kontakt mit Meningokokken-Patienten einem höheren Risiko ausgesetzt sind, wird zur Impfung geraten.

Es gibt kein Vakzin, das gegen alle Serogruppen auf einmal immunisiert. Ein solches wäre jedoch äußerst praktisch, da gerade die Risikogruppe der Jugendlichen für Impfungen generell sehr schwierig zu erreichen ist. Mit Kampagnen wird daher beispielsweise in Großbritannien versucht, gezielt Teenager und junge Erwachsene anzusprechen. "Soziale Medien machen hier die Kommunikation leichter als noch vor zehn Jahren", sagte David Salisbury vom Londoner Centre on Global Health Security vergangene Woche im Rahmen eines Vortrags in Dublin. Impfungen seien nicht nur eine für das Gesundheitssystem kosteneffektive Vorsorge, sie tragen auch zum Schutz ganzer Communities bei, da das Ansteckungsrisiko für die nicht immunisierten Menschen ebenfalls sinkt. So seien etwa Meningokokken des Serotyps C seit der Einführung der Impfung in Großbritannien kaum mehr vorhanden, berichtete Salisbury.