In der Ruhe liegt das Fest
11/24/2013

In der Ruhe liegt das Fest

Stress im Advent muss nicht sein. Ideen für eine ruhige Zeit.

von Martin Burger, Axel Halbhuber

Idee 1: Früher wurde im Advent gefastet.

Um dem permanent Völlegefühl zu entkommen, könnte man die Vorweihnachtszeit historisch angehen: Erst 1917 wurde die Fastenzeit im Advent aufgehoben. Nunmehr durfte mit Sanktus von oben geschlemmt und über den Durst getrunken werden, wovon die Österreicher seither reichlich Gebrauch machen, mussten doch ihre Vorfahren in den Jahrhunderten davor genug darben. Das heißt: Richtig Hungern mussten nur die Armen, bei denen in den Wintermonaten ohnehin nur Getreidebrei und Wintergemüse auf dem Speiseplan stand. „Kirchenmänner haben das Fastengebot hingegen kreativ umgangen und mit fantasievollen Rechtfertigungen Biber, Otter und sogar Gänse und Enten zur Fastenzeit serviert bekommen“, sagt Nora Witzmann vom Volkskundemuseum Wien.

Ursprünglich begann die Fastenzeit zu Martini. Da war nämlich der Zins fällig, der oft in Naturalien ausbezahlt wurde, und bei dieser Gelegenheit wurden auch Gänse geschlachtet. Am 6. Dezember, dem Todestag des Heiligen Nikolaus, wurde die Fastenzeit noch einmal unterbrochen. An Getränken waren Kakao und Starkbier erlaubt.

Eine andere Speise aus der Vorweihnachtszeit sind seit dem Mittelalter belegt – wie Pfefferkuchen vom Lebzelter. Wobei Pfeffer in früheren Zeiten synonym für alle Gewürze stand und in einigen alten Lebkuchenrezepten auch vorkam. Apropos: Der alte Beruf des Lebzelters oder Lebküchlers wird bei der Mitmachausstellung „Bienenwachs und Honigkuchen“ im Wiener Volkskundemuseum vorgestellt (bis 23. 2. 2014, an Einkaufssamstagen von 10 bis 13 Uhr Gratisbetreuung für Kinder von 5 bis 10 Jahren). Die Lebzelter verarbeiteten Honig zu Met (Honigwein), Lebkuchen und Kerzen. Noch heute liegen Lebkuchen bei Umfragen über die beliebtesten Weihnachtsspeisen auf Platz zwei, hinter Vanillekipferln. Weihnachtsbäckerei mit Zucker setzte sich erst ab 1850 durch, als Handel und industrielle Herstellung Süßstoffe einigermaßen erschwinglich machten. Wer sich heuer nach den Vorfahren richtet, kann dem Magen viel Stress ersparen.

Idee 2: Gemeinsame Zeit geht vor Perfektionswahn.

Die Devise in der Vorweihnachtszeit lautet Aufgaben reduzieren. Kekse backen ist meist lustiger als Kekse haben, Christbaum schmücken entspannter als davor zu stehen. Besonders für Kinder entsteht Advent-Stimmung durch gemeinsames Tun: Lieber nur eine Kerze, neben der man etwas spielt, als stundenlang zur Überraschung die Wohnung dekorieren.KURIER-Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger:„Eltern sollten zugunsten der Atmosphäre den organisatorischen Perfektionismus hinten anstellen.“ Psychologin Daniela Reiter sieht das ähnlich: „Auf eine Liste schreiben, was ich gerne machen möchte und von dem ich glaube, dass es erledigt werden muss – und dann kräftig wegstreichen.“

Idee 3: Man muss nicht alle Feste feiern, wie sie fallen.

Ein Treffen hier, eine Feier da – der nahende Jahresschluss nährt das Gefühl, jeden noch einmal dringend sehen zu müssen. Ähnlich die Feste: Die müssen besonders stimmungsvoll sein, ein freundliches Wort muss mit jedem gewechselt werden.Experten sind einig, dass der Advent von Feierabend-Glühweinrunden über Keksduft im Büro bis zu Weihnachtsfeiern wichtig für die Betriebskultur ist. Univ.-Prof. Renate Ortlieb vom Institut für Personalpolitik der Karl-Franzens-Universität Graz führte die erste Studie zu dem Thema durch: „Nicht nur die Tatsache, dass gefeiert wird, sagt etwas über das Unternehmen aus – auch wie das Fest begangen wird, zeichnet ein Bild von der Organisation.“ Übertriebene Besinnlichkeit muss dabei nicht sein, aber auch das Image von peinlichen Alkoholexzessen schwindet. „Das Klischee der niederen Hemmschwelle hat sich in der Studie nicht bestätigt.“Auch im Privaten sollen Advent-Treffen unangestrengt bleiben, und man soll nach Hause gehen, wenn man sich danach fühlt. Gruppendruck stresst, auch bei den Betriebsfeiern. Ortlieb: „Wer bei bestimmten Aktionen nicht mitmachen möchte, wird allzu schnell als Spielverderber abgestempelt.“ Daher: In der Weihnachtszeit lieber etwas auslassen, es kommt bestimmt ein nächstes Jahr.

Freudvoll schenken und einkaufen

„Geschenke sind Kommunikation“, sagen Psychologen. Einkauf und Übergabe sollen entspannt sein, der Weg dazu führt über eine niedrigere Erwartungshaltung, auch an sich selbst.

Zehn Regeln für gelungenen Einkauf bietet Cosima Reif im „Shopping-Kamasutra – Leitfaden zur Lustkaufmaximierung“ (Metro, 16,90 €).