Das Temperament hängt nicht primär vom Geschlecht ab.

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Tiercoach
12/14/2015

Zusammenleben mit Katze - oder doch mit einem Kater?

Das Geschlecht des Tieres spielt für das Zusammenleben und die Gesundheit eine große Rolle.

von Hedwig Derka

Sie ist in der Regel zierlicher gebaut, investiert mehr Zeit in die Fellpflege und verfügt über einen ausgeprägten Mutterinstinkt, den sie mitunter auf Menschen überträgt. Er frisst mehr, ist meist von stattlicher Statur und bekommt hormonell bedingt einen prachtvolleren Kopf. Als freiheitsliebender Vater ist Er sich selbst am nächsten.

Geschmackssache

"Ob man sich für eine Katze oder einen Kater entscheidet, ist Geschmackssache", sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach weiß, dass Katzen als Kratzbürsten verschrien sind und Kater als verschmust gelten. Dabei hängt das Temperament eher von der Persönlichkeit, der Rasse und der Sozialisation als vom Geschlecht ab. Für das Zusammenleben und die Gesundheit spielt der kleine Unterschied eine große Rolle.

"Mit zwei männlichen Geschwistern funktioniert ein Mehrkatzenhaushalt immer gut", sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Die Sorge, dass es ungewollt Nachwuchs gibt, fällt weg. Die Kastration, die das Tierschutzgesetz für Freigänger verpflichtend vorschreibt, kann bis nach der Geschlechtsreife warten. Mit dem Routineeingriff hört der Kater auf, sein Revier zu markieren, Freigänger bleiben in der Nähe ihres sicheren Zuhauses und halten sich von Kämpfen fern. Brüder sind ideale Spielkameraden.

Harmonie

"Zwei Schwestern passen meist gut zusammen", sagt Reitl: "Besitzer können ohne Stress auf die erste Rolligkeit warten." Mit etwa acht bis neun Monaten ist die Entfernung der Eierstöcke sinnvoll. Die Operation schützt die Kätzin vor Dauerrolligkeit und damit vor Erkrankungen der Gebärmutter.

"Bei gemischt geschlechtlichen Geschwistern muss man die Kastration frühzeitig überlegen, sonst passiert Inzucht", warnt der KURIER-Tiercoach. Bei Altersunterschieden gibt die Expertin zu bedenken, dass die Vergesellschaftung von Babykatzen eher gelingt als bei erwachsenen Tieren. Zwischen zwei fremden Weibchen kann die Abneigung mühsam werden.

Gesellschaftsleben ist nicht alles, das Geschlecht beeinflusst auch die Gesundheit. "Weibliche Katzen neigen eher zu Diabetes und Tumoren an der Milchleiste. Verhaltensprobleme wie Protestpinkeln sind bei ihr wahrscheinlicher", sagt Reitl. Beim Kater dagegen macht die enge Harnröhre öfter Schwierigkeiten. Unkastrierte Männchen verletzten sich häufiger bei Auseinandersetzungen mit Artgenossen. Nachsatz: "Ausnahmen gibt es immer."

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