Leben
24.04.2018

Zu perfekt? Kates märchenhaftes Wochenbett

Nur sieben Stunden nach der Geburt verließ Herzogin Catherine top gestylt das Krankenhaus.

Sorgsam geschminkt und frisiert, im roten Diana-Gedächtnis-Kleid und mit beigen Pumps: Als Herzogin Catherine am Montagabend wartenden Journalisten entgegenwinkte, sah sie aus wie immer. Dabei hatte die 36-Jährige nur sieben Stunden zuvor ihr drittes Kind – einen bis dato noch namenlosen Buben – zur Welt gebracht. Passionierten Royalwatchern bot sich ein bekanntes Bild, hatte sich Kate doch schon bei ihren ersten beiden Kindern kurz nach der Entbindung top gestylt und freudestrahlend vor dem Londoner St. Mary’s Hospital präsentiert.

Die Kritik lautete damals wie heute: Mit ihrem formvollendeten Auftritt wenige Stunden post partum würde die Frau von Prinz William andere Jungmütter unnötig unter Druck setzen. Ihre verstorbene Schwiegermutter Diana wartete in den Achtzigern zumindest einen ganzen Tag, bis sie mit Söhnchen Harry vor die Fotografen trat.

Kurz im Spital

Dabei ist der kurze Spitalsaufenthalt in der Heimat der Royals keineswegs ungewöhnlich, zeigt die Statistik: In keinem anderen EU-Land bleiben Mütter nach der Entbindung so kurz im Spital wie im Vereinten Königreich, im Schnitt 2,5 Tage, und da sind Kaiserschnitte bereits eingerechnet. In Österreich liegt der Durchschnitt bei 3,9 Tagen. „Wenn mit Mutter und Kind alles okay ist, dann entlassen wir sie so schnell wie möglich. Die Frauen wissen das. So ist nun einmal die Praxis hierzulande“, sagte Mervi Jokinen, Beraterin beim Royal College of Midwives, der Welt. Die 9000 Euro teure Rundumbetreuung im noblen Lindo Wing können sich freilich nur wohlhabende Eltern leisten.

Es scheint Trend zu sein, schnell wieder fit werden zu wollen, berichtet Gynäkologe Univ.-Prof. Peter Frigo von der Klinik für Frauenheilkunde, MedUni Wien. „Eine Schwangerschaft wird von vielen Frauen nicht als Ausnahmezustand gesehen, sie wollen schon bald nach der Geburt wieder ein bewegungsreiches Leben.“ Generell haben sich die Regenerationszeiten verkürzt. „Das ist bei anderen Operationen wie einer Gebärmutterentfernung auch so“, sagt Frigo. Und die Bedürfnisse der Frauen haben sich verändert – die eine braucht mehr, die andere weniger Zeit. „Im Zentrum muss immer das persönliche Empfinden der Frau stehen.“

So sieht das auch Martina Koll-Braun, Hebamme in Wien. Sieben Stunden nach der Entbindung heimzufahren, sei „absolut angemessen“: „Wenn es Mutter und Kind gut geht, unterstütze ich, dass man das Krankenhaus so schnell wie möglich verlässt.“ Laut Gesetz dürften Frauen dies schon nach drei Stunden, eine komplikationslose Geburt vorausgesetzt. „Den meisten Frauen geht es nach der Geburt gut – sie sind erschöpft, aber mobil.“ Immer wieder komme es vor, dass der Kreislauf geschwächt ist: „Dann brauchen die Frauen längere Ausruhezeiten“, sagt die Hebamme. Dass man kurz da so aussieht wie die Duchess, sei natürlich „komplett unrealistisch“, betont Koll-Braun. „Allerdings müssen ‚normale Frauen‘ auch nicht vor die Presse treten. Und dass sie schon zum dritten Mal ihren ‚Babybauch’ nach der Geburt zeigt, ist sehr sympathisch.“ Wie schon bei ihren ersten Geburten vertraute Catherine auf ihre Helferlein: Stylistin Natasha Archer brachte während der Wehen das rote Kleid mit weißem Spitzenkragen in den Kreißsaal; Friseurin Amanda Cook-Tucker legte kurz nach der Entbindung Hand ans Herzoginnen-Haar.

Im Frühwochenbett

Nun weilt die frischgebackene Dreifachmama samt Familie im Kensington Palace, wo sie sich möglichst gut erholen sollte. Eine Woche dauert das Frühwochenbett – „eine sensible Phase, in der die Mutter sehr viel Ruhe braucht, um ihre Kraftreserven aufzufüllen“, sagt die Hebamme. „Wichtig ist, dass jemand die Rundumarbeit erledigt. Wenn man gut betreut ist, ist das Wochenbett eine schöne Zeit.“ Zuhause hätten die Entbundenen die nötige Ruhe, zudem werden ältere Geschwister von Beginn an in das neue Familienleben integriert.

Sechs bis acht Wochen dauern schwangerschafts- und geburtsbedingten Rückbildungen. Englands Vorzeigemutter Kate wird wohl eine Ausnahme vom Wochenbett machen – um in knapp vier Wochen die Hochzeit ihres Schwagers Harry auf Schloss Windsor zu feiern. Top gestylt, wie immer.

Schau-TV: KURIER-Kolumnist spricht mit Martina Salomon über die royale Geburt. Internet: schautv.at