Marco ist extrem kreativ - im Hintergrund sein selbst entworfenes NBA-Leiberl mit der Nummer 94.

© Kurier/Gerhard Deutsch

Leben
06/01/2019

Wie Marco zwischen Bestrahlungen und Chemo die Matura macht

Beim 18-jährigen Marco Weissenböck wurde vor drei Jahren eine seltene Krebserkrankung diagnostiziert. Sein Lebenswillen ist trotzdem unbändig.

von Uwe Mauch

Wenn er von seinem Besuch im Headquarter des Nike-Konzerns in New York erzählt, leuchten seine Augen: „Ich wurde dort von den Chef-Kreativen wie ein Star empfangen und durfte mein eigenes NBA-Shirt designen.“

Das Leiberl von Marco Weissenböck ziert die Nummer 94 und hängt in seinem Atelierzimmer. Die 94 erinnert ihn an die Zeit „vor der Diagnose“: Als hochambitioniertes Talent der Vienna Capitals setzte er damals gerade zum Sprung in das Mutterland des Eishockeys an. Eine Magnetresonanz-Untersuchung seiner Schulter, die nach einem Crash nicht verheilen wollte, beendete jedoch seine Pläne jäh: „Statt zum Austausch-Schuljahr in die USA übersiedelte ich nach der letzten Latein-Schularbeit in der fünften Klasse ins Sankt-Anna-Kinderspital.“

Die Ärzte im „Sankt Anna“ brachten es ihm und seiner Familie schonend, in Raten bei: Es sei ein seltener Krebs (siehe Ewing-Sarkom rechts), und man spreche eher nicht von Heilungschancen.

Drei Jahre ist das her. Marco Weissenböck ist weiterhin unter uns, mit Metastasen an mehreren Organen, wechselnden Aufs und Abs, einem Alltag zwischen Chemotherapien und Bestrahlungen, aber auch mit unbändigem Lebenswillen. Er erzählt unaufgeregt, so wie er früher Eishockey gespielt hat: „Den Trainern hat gefallen, dass ich in Stresssituationen immer ruhig geblieben bin.“

Er zeichnet, sprayt, näht, hat seine eigene Modelinie kreiert, die er auf Instagram unter marcosartworld zeigt. Er hat seine Dachgeschoß-Wohnung in Wien-Stadlau mit viel handwerklichem Geschick und einem guten Auge für das Schöne eingerichtet. Und er hat die schriftliche Matura als Klassenbester absolviert. Obwohl er schon seit Beginn der sechsten Klasse nicht mehr zur Schule gehen konnte und daher entweder im Kinderspital oder zu Hause unterrichtet wurde.

Vor der mündlichen Matura fürchtet sich einer wie Marco Weissenböck keine Sekunde. Er hat schon andere Prüfungen in seinem Leben bestanden. Menschliche Reife beweist er unter anderem, wenn er sich über die positiven Dinge des Lebens freuen kann: „Dass man in einen Apfel beißen kann oder zur Schule gehen kann, das ist nicht für jeden Menschen selbstverständlich.“

Selbstverständlich sei es auch nicht, wie seine um fünf Jahre jüngere Schwester Nele mit seiner Krankheit umgeht: „Sie musste wegen mir viele Entbehrungen in Kauf nehmen. Sie hat sich kein einziges Mal beschwert. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Eine Aussage, die Eltern zu Tränen rühren muss. Sie sind sich auch einig: „Unser Sohn ist unser Vorbild.“

Schwach gestartet

Um zur schriftlichen Matura antreten zu können, hat ihr Sohn seine Chemotherapie frühzeitig abgebrochen. Dies hat ihm allerdings nicht viel geholfen: „Am ersten Tag war mir noch so schlecht, doch ich hab’ mich überwunden, wollte es unbedingt schaffen.“

Auch vor dem mündlichen Termin Mitte Juni wartet noch eine intensive Therapie auf ihn. Für den 18-Jährigen aber absolut kein Grund, um sich Sorgen zu machen.

Lieber erzählt er, wie er mit seinen Spraydosen Sneakers aufpeppt oder mit der Nähmaschine Billig-Pullover in Kultobjekte verwandelt. „Und es ist ein Geschenk, wenn ich mit meiner Mutter gemeinsam beim Essen sitze und Zeit zum Plaudern ist.“

Gerne erinnert sich Marco Weissenböck auch daran, dass alle ehemaligen Mitspieler seines Eishockeyvereins ein Jahr lang symbolisch mit Nummer 94 gespielt haben.

Und dann ist da noch die Geschichte mit dem Buch, das er schreiben möchte. Ein Buch über die drei Jahre, die er auf keinen Fall missen möchte. Er weiß, er muss es schreiben. Weil er der Welt noch so viel zu sagen hat.

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