Für mich ist klar: Neroli muss ins Fläschchen. In jenes Fläschchen, in  dem Aromapraktikerin Lisa Dirnbacher mir meinen ganz persönlichen Duft zusammenstellen wird.

© Kurier/Juerg Christandl

Leben
10/05/2019

Wie man sich einen Duft erschnuppert

Wie man sich ein Parfüm kreiert, das einem ganz allein gehört und das neben der Nase auch noch Leib und Seele erfreut.

von Barbara Mader

Instinktiv stoße ich einen Begeisterungsschrei aus, als mir Lisa Dirnbacher den Duftstreifen mit Neroliöl unter die Nase hält. Neroliöl wird aus der Blüte der Bitterorange gewonnen. Bei uns auch unter dem unvorteilhaften Namen Pomeranze bekannt, lässt die französische Bezeichnung „Fleur d'oranger“ deutlich mehr auf ihren sinnlich-betörenden Duft schließen. Wissenschafter verwenden dafür einen nüchterneren Ausdruck: Statt „sinnlich“ nennen sie Neroli „anregend“.

Für mich ist jedenfalls klar: Neroli muss ins Fläschchen. In jenes Fläschchen, in dem Aromapraktikerin Lisa Dirnbacher mir meinen ganz persönlichen Duft zusammenstellen wird.

Ein Duft, der mehr kann, als die Nase zu erfreuen. Dirnbacher, die außerdem diplomierte Kräuterpädagogin ist, stellt individuelle Duftmischungen aus ätherischen Ölen her, die körperliches und seelisches Wohlgefühl unterstützen. Denn Düfte wandern über die Lunge und die Haut direkt ins Blut und gelangen so in den ganzen Körper bis ins Gehirn. Sie beeinflussen Herzfunktion, Blutdruck, Atmung, Stoffwechsel, Immunabwehr und Appetit. Und vor allem unsere Gefühle, denn Duftinformationen schaffen es ohne Zensur in das limbische System, auch „Gefühlshirn“ genannt. Hier sind unsere Emotionen verankert. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck „jemanden (nicht) riechen können“. Düfte wecken Träume und Erinnerungen und sind maßgeblich bei der Partnersuche. Mit Schaudern erinnert man sich an Patrick Süßkinds Roman „Das Parfüm“, der von einem Mann handelt, der selbst über keinerlei Körpergeruch verfügt und deshalb von anderen nicht wahrgenommen wird.

Es gibt Düfte, die polarisieren – nicht alle Menschen lieben Patchouli. Auf andere wiederum können sich ziemlich viele Menschen einigen: So gibt es den altbekannten Maklertrick, am Tag einer Hausbesichtigung in der Küche einen Apfelkuchen zu backen. Interessenten werden sich unverzüglich an ihre Kindheit erinnern und zu Hause fühlen. Zu den beliebten Düften, die nach früher riechen, gehört auch Vanille. Als mir Dirnbacher einen Tropfen davon für meine Duftmischung vorschlägt, entfährt mir zunächst ein „Nein danke, ich will doch nicht nach Vanillekipferl riechen!“ Doch wie immer ist’s die Dosis, die entscheidet. Tatsächlich, Vanille passt. Und natürlich kann Vanilleöl vielmehr, als Erinnerungen an Backstuben auszulösen: Es vertreibt Mattheit und macht gute Laune. Kann nicht schaden.

Als ich Lisa Dirnbachers Duftpraxis betrete, bin ich neugierig: Wird sie mir an der Nasenspitze ansehen, welcher Duft zu mir passt? Bin ich ein Rosen- oder ein Melissentyp? Oder doch mehr die herbe Angelika? Sagen wir so: Dass ich nicht der blumige Typ bin, hat sie gleich geahnt.

Wer das erste Mal zu Lisa Dirnbacher kommt, wird ausführlich nach seinen Anliegen befragt: Gibt es Stresssymptome oder Schlafstörungen? Liegen Allergien vor? Andere gesundheitliche Auffälligkeiten? Wer etwa hohen Blutdruck hat, sollte Rosmarinöl meiden, denn dieses bringt den Kreislauf erst recht in Schwung.

Nach der gesundheitlichen Bestandsaufnahme wird gemeinsam eine Duftmischung, basierend auf natürlichen ätherischen Blüten- und Kräuterölen, zusammengestellt. Daraus fertigt Dirnbacher auf Wunsch Raumspray, Körperduft oder Balsame an. Ziel ist, die Gesundheit mit natürlichen Pflanzenwirkstoffen zu stärken. Und natürlich gut zu riechen. Der große Unterschied zu industriellen Parfüms ist, dass für diese meist synthetische Inhaltsstoffe verwendet werden.

In Dirnbachers Duft- und Kräuterpraxis kommen ausschließlich naturreine Produkte zur Anwendung. Die Herstellung dieser Öle ist aufwendig – die Aromapraktikerin rät entschieden davon ab, die hoch konzentrierten Öle pur zu verwenden. Für einen Liter Rosenöl werden rund fünf Tonnen Rosenblüten benötigt, die vor Tagesanbruch geerntet werden müssen. Ein Tropfen Rosenöl enthält rund 30 Rosenblüten. Doch Rosen, das werden wir sehen, kommen mir ohnehin nicht ins Fläschchen. Was dann? Mit Schlafstörungen oder außergewöhnlichen Stresssymptomen kann ich heute nicht aufwarten. Was ich will, ist einfach unvergleichlich gut zu riechen. Auch ohne spezifischere Angaben braucht Dirnbacher nur wenige Riechproben, um uns auf die Spur des richtigen Parfums für mich zu bringen.

 

Bergamotte, ein Hybrid aus süßer Limette und Bitterorange, wird als erste Essenz für mich feststehen. Nach meinem entschiedenen Nein zur Rose kommen nach anfänglicher Skepsis auch noch wenige Tropfen Vanille dazu. Die kostbare Bitterorangen-Essenz entlockt sogar dem Fotografen ein anerkennendes Brummen: Ich bin begeistert, Neroli muss sein, auch wenn es bei uns Pomeranze heißen mag. Nicht sofort spricht mich die Angelikawurzel an, erst das zweite Schnuppern überzeugt. Zur Abrundung kommen zuletzt ein Paar Tropfen grasgrüne Zitronenverbene in das Duftfläschchen, das ganz allein für mich gemacht wurde.

Info: feinfühlen Kräutermanufaktur & Duftpraxis. Lisa Dirnbacher. Eine einstündige Beratung samt Duft kostet ca. 90 Euro. praxis@feinfuehlen.at. Telefon: 0664 22 70 710. Neulerchenfelder Str. 40, 1160 Wien. feinfuehlen.at

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