Leben
14.10.2018

Wie man die beste Schule für sein Kind findet

Bei der Wahl der richtigen Schule entscheidet nicht immer der Ruf. Auch soziale Komponenten sind wichtig.

Es ist eine Frage, über die sich Eltern viele Gedanken machen: Welche Schule ist die beste für mein Kind? Die Auswahl ist besonders in Wien groß. Da ist guter Rat gefragt. Manchmal kommen Eltern dann in die Praxis der klinischen Psychologin Sabine Kainz.

Für sie ist wesentlich: „In der Volksschule ist das Wichtigste, dass die Lehrkraft zu meinem Kind und zu den Eltern passt: Ob die Chemie stimmt, merkt man bei einem Tag der offenen Tür oft schnell.“

Das Bauchgefühl ist ein entscheidendes, aber nicht das einzige Kriterium. Bei der Entscheidung sollte auch der Wohnort eine Rolle spielen: „Schicken Sie Ihr Kind nicht quer durch die Stadt, nur weil dort eine Schule ist, die einen hervorragenden Ruf hat“, sagt die Psychologin. Grund: Wenn der Schulweg weit ist, ist es schwierig, Sozialkontakte zu Mitschülern zu knüpfen. Doch die sind essenziell, wenn das Kind sich in der Klasse wohlfühlen soll.

Ob ein Schüler die ersten Jahre gut meistert und auch Freude am Lernen hat, hängt auch davon ab, ob der Unterricht zu ihm passt: „Eltern kennen ihr Kind am besten und wissen auch, was es braucht“, weiß Kainz aus Erfahrung. „Ist ein Kind verträumt oder ein Zappelphilipp benötigt es eher einen strukturieren Unterricht – Montessori- oder Mehrstufenklassen sind da nur bedingt geeignet.“

Mit „offenen“ Lernformen fühlen sich eher solche Schüler wohl, die sich selbst ihren Lernstoff holen und leistungsmotiviert sind und die auch mit älteren Kindern gut können, denn oft sitzen nur fünf, sechs Gleichaltrige in der Klasse.

Wer Glück hat, findet neben der optimalen Lehrkraft, der Unterrichtsform und dem Schulweg auch noch eine Klasse mit dem geeigneten Schwerpunkt – etwa Sport oder Musik.

Mittelschule oder AHS?

Gegen Ende der Volksschule steht die nächste große Entscheidung an: Gymnasium oder Mittelschule – eine Schulform, die von vielen Eltern abgelehnt wird, weil sie befürchten, dass ihr Kind dort nichts lernt. Schließlich ist gerade in Wien der Migrantenanteil oft sehr hoch. Allerdings: „Ist das Kind in einer AHS überfordert, verliert es die Leistungsmotivation, was zur Folge hat, dass das Kind eine kürzere Schullaufbahn haben wird“, sagt Kainz. Heißt: Es könnte die Schule rasch verlassen. Was also tun? „Man sollte sich genau anschauen, auf welche Mittelschule man sein Kind gibt – nicht jede Mittelschule ist eine Brennpunktschule.“ Privatschulen können, müssen aber nicht besser sein.

Wie merke ich, ob mein Kind ins Gymnasium passt? „Fragen Sie sich selbst: Wie sind die Noten in der Volksschule zustande gekommen? Musste ich viel mit meinem Kind lernen? Oder konnte es die Aufgaben altersadäquat lösen?“ Wer schon in der Volksschule Mühe hatte, der wird sich auf dem Gymnasium erst recht schwer tun.

Doch viele Eltern befürchten, dass sie ihrem Kind alles verbauen, wenn es keinen AHS-Platz bekommt. „Stimmt nicht“, stellt Kainz klar: „Das österreichische Schulsystem ist sehr durchlässig.“ Und wenn das Kind eine positive Einstellung zum Lernen hat, kann es später auf ein Oberstufengymnasium oder eine berufsbildende Schule gehen.“