Spaghetti oder Spinat?

Warum es kein Problem ist, wenn Kinder nicht alles essen wollen.

Schon Babys spüren, wenn sie Hunger haben und was ihnen schmeckt. Dafür brauchen sie Zeit. Studien zeigen, dass der Gaumen eines Kindes 8- bis 16-mal länger braucht, um ein abschließendes Urteil zu entwickeln, ob das Essen mundet oder nicht. „Lebensmittel sollten auf keinen Fall mit Zwang oder zur Belohnung und Bestrafung eingesetzt werden", sagt die Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftlerin Theres Rathmanner. "Kinder verbinden dann das Essen mit Gefühlen  – und ein negatives ist der direkte Weg zu Problemen und Essstörungen.“ Vielmehr sollten Eltern herausfinden und probieren, ob gewisse Produkte ihrem Nachwuchs in anderer Form besser schmecken. „Bei Kindern spielt Farbe und Konsistenz eine große Rolle. Es kann sein, dass ein Kind keinen Karottenbrei mag, aber gekochte Scheiben oder  sie lieber in Kombination mit Zucchinistücken isst, weil der Teller bunter aussieht.“ Gesundes Essverhalten lässt sich sanft antrainieren: „Je öfter ein Mensch etwas isst, desto lieber isst er es und kann so eine Vorliebe entwickeln. Das ist bei kostfreudigen Kindern gut, denn so kann man ihnen Gesundes anbieten und schmackhaft machen.“ Das kann auch in eine Gegenrichtung umschlagen: Je öfter Kinder naschen und Eis essen, desto stärker entwickeln sie eine Vorliebe für Süßes.  Wesentlich unbedenklicher sind die bekannten "Nur-Nudeln-Phasen", die viele Kind einmal ausleben. Davon sollten sich Eltern nicht beirren lassen. Auch hier gilt: Konsistenz und Farbe spielen eine große Rolle. Statt Gemüsestückchen kommt hier vielleicht eine pürierte Soße besser an. Wer allerdings Zeit sparen will und seinen Kindern ständig Pizza und Pommes vorsetzt, wird sie längerfristig kaum noch für den Geschmack "normaler" Gerichte begeistern können. „Wer sich erst einmal an fettes, salzreiches und gezuckertes Essen gewöhnt hat, muss seine Geschmacksnerven erst wieder an Sanfteres gewöhnen", sagt Ernährungsmediziner Christian Matthai. Das soziale Umfeld hat Vorbildwirkung: Zu Hause am Esstisch sind es die Eltern, die bei ihren Kindern das Bewusstsein für hochwertige Lebensmittelprodukte schärfen können. Dazu gehört auch gemeinsam einzukaufen und zu kochen. So sieht es auch Mediziner Matthai: „Die wichtigste Grundvoraussetzung ist, vor der eigenen Tür zu kehren.“ Man dürfe sich nicht über Frühstücksverweigerung wundern, wenn man selbst schon keine Zeit dafür findet. Oder beim Fernsehen Chips nascht, um dann den Kinder zu sagen, sie sollen Karottensticks essen. Weil Kinder Nachahmungstäter sind, besteht durchaus eine große Chance, dass sie sich einen genussvollen und experimentellen Umgang mit Essen abschauen können.
(kurier) Erstellt am
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