Leben
07.11.2017

Werber fühlen sich von Werbung diskriminiert

Hamburgs Werber sind wegen einer Plakatkampagne einer Agentur empört. In ihr wird suggeriert, dass ihr Berufsstand nicht arbeitet.

Ein oft zitierter Grundsatz aus der Werbung lautet: "Bad publicty is better than no publicity." Schlechte Werbung ist also besser als gar keine. Dieses Credo hat scheinbar nichts an Aktualität eingebüßt. Die Agentur pilot, die in Deutschland mit ihrer "Life is bitter"-Kampagne für Fernet Branca für Aufsehen sorgt, bringt Vertreter der eigenen Berufszunft auf die Barrikaden. Auslöser war ein Plakat in Hamburg-Ottensen mit einer Anspielung auf den ehemals industriell geprägten Stadtteil: "Früher gab es hier ehrliche Arbeiter. Jetzt gibt es hier Werber." Dass Werbetreibende im mittlerweile gentrifizierten Szenebezirk durch den Kakao gezogen werden, gefällt nicht allen.

Werberat wurde eingeschaltet

Dem Geschäftsführer von Jung von Matt/sports, Raphael Brinkert, ist gar nicht zum Lachen zumute: Er reichte eine Beschwerde beim deutschen Werberat ein. Verärgert schrieb er auf Facebook: "Seit Jahren arbeiten wir daran, das Berufsbild geradezurücken, längst überholte Vorurteile auszuräumen und werben gegenseitig für Wertschätzung. Dieses Plakat ist schlichtweg eine Frechheit." In den Tenor stimmte Benedikt Holtappels in seinem Posting mit ein. Von "unfassbarem Schwachsinn" und "Vollidioten" ist die Rede.

Die Debatte schlägt hohe Wellen, viele User loben den Coup und fordern die Werbetreibenden auf, sich mit ihrem eigenen Berufsstand auseinanderzusetzen und etwas selbstironischer zu sein. Hartwig Keuntje, Chef der Agentur Philipp und Keuntje, mahnte unterdessen zu mehr Gelassenheit: "Die Herren Brinkert und Holtappels sollen von ihrem hohen Ross der moralischen Empörung heruntersteigen." Die Kampagne für Fernet Branca basiert auf frechen Texten und regionalen Bezügen. So lesen Kölner in ihrer Stadt "Im Schokoladenmuseum bist du Stammgast. Man sieht es", Einwohner der deutschen Hauptstadt "Du bist individuell. So wie jeder in Berlin".

Mit Selbstironie und einem Seitenhieb versuchte Brinkert, der auf die Einschätzung des Werberats gespannt ist, dann doch zu punkten. Er postete ein Foto mit einer Flasche Jägermeister, "weil das Leben schon bitter genug ist".