"Wir sind ein irrsinnig fades Pärchen"

Monica Weinzettl, Gerold Rudle
Foto: KURIER/Franz Gruber Monica Weinzettl und Gerold Rudle sind seit zehn Jahren ein Paar

Das Kabarettisten-Ehepaar über Geschlechterklischees und den Vorteil von später Liebe.

Konfliktpotenzial hätte es in diesem Sommer genug gegeben: Immerhin verbrachten Monica Weinzettl (noch 49...) und Gerold Rudle (54) zwei Wochen auf engstem Raum – im Wohnmobil in Kroatien –, um ihr neues Kabarettprogramm zu schreiben. Im KURIER-Gespräch wenige Tage vor der Premiere war von ehelichen Dissonanzen aber nichts zu merken – ganz im Gegenteil.

KURIER: Das Älterwerden ist ein zentrales Thema in Ihrem neuen Programm. Frau Weinzettl, wie sehr schmerzt der 50. Geburtstag im November?

Weinzettl: Natürlich merke ich körperliche Veränderungen. Man bekommt ja auch plötzlich das passende Werbematerial geliefert. Da denkst du dir dann, wieso brauch’ ich jetzt bitte einen erhöhten WC-Sitz?! Aber in Wahrheit ist es wurscht. Der Gerold hat mir vorgelebt, wie man am besten mit der 50 umgeht. Eine Midlife Crisis gab es nicht.

Rudle: Die Monica ist cool, weil sie das ganz offensiv angeht. Sie wollte, dass mein erster Satz auf der Bühne ist: "Meine Damen und Herren, Monica Weinzettl ist 50!"

Monica Weinzettl, Gerold Rudle Foto: KURIER/Franz Gruber

Der Titel des Programms lautet "Drama Queen und Couch Potato". Das Thema Beziehung scheint nicht ohne Stereotypen auszukommen. Warum?

Rudle: Weil sie in 90 Prozent der Fälle stimmen. Wir entsprechen zwar nicht ganz dem gängigen Mann-/Frau-Klischee – sie kennt sich zum Beispiel technisch viel besser aus. Trotzdem stellen wir rundherum fest: In vielen Fällen trifft es einfach zu. Also Schuhe hab ich um einige weniger als die Monica.

Und wer von Ihnen ist die Drama Queen?

Weinzettl: Das können wir beide. Aber im Grunde sind wir ein irrsinnig fades Pärchen. Wir sind auf so vielen Ebenen kompatibel, dass wir so wenig Reibungspunkte wie nur möglich haben.

Rudle: In einem unserer Programme durfte ich den Satz sagen: "Es gibt kein Wir, es gibt nur ein Du und ein Ich." Das hat mich die Monica gelehrt. Du darfst in einer Beziehung nicht zu einem Gatsch werden. Du lebst dein Leben, ich leb meines, und wir verbringen es gemeinsam. Wenn ich zu Monica sage, "Ich kauf mir ein Rapid-Abo", sagt sie nicht einmal "Ok, wenn du willst ...", sondern "Ja, gut!".

Weinzettl: Männer sagen, "Ich kauf mir ein Rapid-Abo", Frauen sagen, "Ich würde gern, aber da müsstest du mitmachen". Ich verstehe nicht, warum Frauen ihren Mann ummodeln müssen. Da verliebt man sich in etwas, das einem prinzipiell gefällt, und adaptiert es dann, damit man es herzeigen kann.

Rudle: Ich sag der Monica immer, dass es nichts an ihr gibt, das mir irgendwann auf die Nerven gehen könnte. Bei jedem anderen Menschen ist das so. Bei ihr nicht.

Gerold Rudle, Monica Weinzettl Foto: KURIER/Franz Gruber

Besteht bei so viel Harmonie nicht die Gefahr, dass es irgendwann langweilig wird?

Rudle: Das ist nicht fad, das ist Ruhe. Nicht mehr müssen, aber dürfen. Wenn einer von uns grantig ist, sagen wir beide: "Das sitzen wir aus, in einer Stunde ist es wieder vorbei." Ein Junger muss das nicht. Der sagt: "Du hast angefangen, warum musst du dauernd ..." Da kommen immer diese Du-Vorwürfe.

Weinzettl: Oder Frauen, die sagen: "Was ist denn mit dir, du hast doch was, ich merk’s doch." Bis der Mann sagt: "Ja, jetzt, wo du herumstichelst, hab’ ich was." Die Frau ist dann verunsichert. So etwas haben wir nicht mehr.

Wird man mit dem Alter also ein besserer Partner?

Rudle: Vielleicht nicht, wenn man schon immer zusammen ist. Da gibt es einfach diese Zahnräder, die permanent ineinander krachen, und im Endeffekt wird man ein immer üblerer Partner. Aber wenn eine erste Ehe scheitert und du eine zweite eingehst, denke ich schon, dass das gewisse Vorteile hat. Man wird ja auch ruhiger – ich muss ihr nichts mehr beweisen, und mir schon gar nicht.

Weinzettl: Du suchst dir ja den Partner schon anders aus. Was daran liegt, dass du zwar noch immer nicht genau weißt, was du willst, aber dafür, was du nicht willst. Natürlich gibt es Muster, in die man immer wieder verfällt. Man kann aber auch daraus lernen und sagen, danke, das brauch’ ich nicht mehr.

Gerold Rudle, Monica Weinzettl Foto: KURIER/Franz Gruber

Was raten Sie einer 25-Jährigen, die am Beginn einer Beziehung steht?

Rudle: Sei so wie du bist und lass ihn so wie er ist. Aber sei dir gewahr, dass beide noch einen Weg vor sich haben. Wir auch – aber bei uns zeichnet sich schon eher ab, dass sich das miteinander ausgeht. Bei Jüngeren kann es sein, dass einer abbiegt. Vielleicht muss man auch offen sagen: Ok, die katholische Kirche redet uns das ein, aber ob es wirklich so sein muss, dass man einander mit Anfang 20 findet und dann bis zum Sterben zusammen bleibt? Nein! Im Moment ist so etwas traurig, auf das Ganze gesehen aber wunderbar. Du nimmst deine Erfahrungen mit und woanders geht’s schon einfacher. So war es zumindest bei uns.

Weinzettl: Mit 25 hat man ganz andere Ansprüche. Vielleicht will man eine Familie gründen – bitte wir nicht mehr. Bei uns reduzieren sich die Möglichkeiten. Das erleichtert, weil man sich darüber den Kopf nicht mehr zerbrechen müsst. Jüngere müssen noch um Sachen kämpfen, es muss noch weh tun.

Wie verhindert man ein Auseinanderleben?

Weinzettl: So was passiert – es holt dich der Alltag ein. Das ist bei uns einfach, weil wir keinen Kindergeburtstag mehr ausrichten müssen und uns nicht über Erziehungsfragen in die Haare kommen. Ich weiß gar nicht, wie viele Komplimente ich vom Gerold bekomme. Jeden Tag!

Rudle: Ein bisschen bemühen muss man sich schon. Was ich ganz schlecht aushalte, sind Paare, die einander vor Freunden dissen. Das ist nicht lustig und geht auf Dauer nicht gut. "Do miassast amoi mei Oide seng, waun de in da Fruah aufsteht ..." Furchtbar!

Weinzettl: Da verliert man den Respekt voreinander.

Wie viel Drama braucht eine Beziehung?

Rudle: In Wahrheit gar keines. Lieber mehr Couch als Drama.

Info

Gerold Rudle (geboren 1963) und Monica Weinzettl (geboren 1967) sind seit zehn Jahren ein Paar und seit sechs Jahren verheiratet. Für beide ist es die zweite Ehe. Rudle hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe: Tochter Nikola (24) und Sohn Tim (17). Das Paar lebt mit Hund und Katzen in Purkersdorf.

Auf der Bühne

In "Drama Queen und Couch Potato" spielt das Kabarettisten-Paar Szenen aus dem Ehe-Alltag. Es ist bereits ihr achtes Duo-Programm. Die Premiere ist am Donnerstag, 14. September im Casanova Wien. Alle weiteren Termine sowie Tickets unter www.weinzettl-rudle.at.

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