Wie menschliche Adern wirken diese Abflusskanäle aus der Vogelperspektive: Das Naturreservat Bahía Blanca an der patagonischen Atlantikküste bietet Delfinen, Schnabelwalen und Seelöwen Lebensraum.

© eoVision/DigitalGlobe. Frederking&Thaler

Satellitenaufnahmen
11/05/2014

Wasser - das beherrschende Element

Ein neuer Bildband des Salzburger Verlags eoVision zeigt die fein verästelten Lebensadern der Erde vom All aus.

von Stefan Hofer

Eintauchen in eine neue Welt: Ein Bildband aus dem Salzburger Verlagshaus eoVision zeigt in großformatigen Satellitenfotos das Element Wasser, das die Erdoberfläche zu 71 Prozent bedeckt. Die Späher aus dem Weltraum sind unbestechlich.

In dem Werk, das von drei Österreichern herausgegeben wird, wird nicht nur die einmalige Schönheit des Planeten gezeigt, sondern auch die Kehrseite der Medaille: die großflächige Nutzbarmachung des Bodens durch die industrielle Agrarwirtschaft, die Abholzung des Regenwaldes, und der maßlose Umgang mit Ressourcen. Gerald Mansberger, Experte für Fernerkundung, erzählt wie das Buch entstanden ist:

Aufnahmen aus dem Bildband "Wasser"

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KURIER: Herr Mansberger, wie verändern Satellitenaufnahmen wie die in Ihrem Buch unsere Sicht der Erde?

Gerald Mansberger: Die Sicht von oben ist nichts grundlegend Neues. Es war schon immer der Wunsch des Menschen, die Erde zu überblicken. Er stieg auf Bäume, baute später Ballone. Eine neue Sichtweise wurde möglich. Nach den Flugzeugen kamen die Satelliten. Heute können wir jeden Punkt der Erde aus der Vogelperspektive betrachten.

Nach welchen Kriterien haben Sie die 150 Bilder im Buch ausgewählt?

Es war unsere Zielsetzung, Wasser in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen, Farben und Formen darzustellen. Die Motive sind so unterschiedlich wie die Satelliten-Arten, Fernseh- oder Wettersatelliten. Letztere decken in kurzer Zeit ein großes Gebiet ab, darunter leidet aber die Erkennbarkeit der Details: Eine Fläche von ein mal km2 ein ist dabei ein Pixel.

Seit wann wird die Erde von Satelliten beobachtet?

Die NASA betreibt seit 1972 das zivile Landsat-Programm zur Fernerkundung der Erdoberfläche. Landsat-Satelliten fliegen und fotografieren permanent. Dabei ist eine Fläche von 30 mal 30 Meter ein Pixel. Also ein hervorragendes Werkzeug, um die Veränderungen der Erde in den vergangenen 40 Jahren festzustellen: die Rodung des Regenwaldes, das Schmelzen der Polkappen.

Wie nah zoomt der Satellit für Fotos in Ihrem Buch?

Bei hochauflösenden Bildern von Anbietern wie DigitalGlobe, die wir verwenden, bis auf 50 mal 50 cm. Da erkennen Sie Autos.

In welcher Höhe wurden die Aufnahmen gemacht?

Wir beschäftigen uns mit Bildern von Erdbeobachtungssatelliten, die in 600 bis 800 km Höhe kreisen.

Sind Wolken ein Problem?

Experten am Boden achten vorab auf das Wetter und können die Sensoren so schwenken, dass nur wolkenfreie Aufnahmen entstehen.

Ich nehme an, dieser Aufwand hebt die Kosten an.

Diese Bilder sind zugekauft, der Preis steigt mit der aufgenommenen Fläche in km2. Auftragsbilder sind teurer als Bilder aus dem Archiv.

Liegt der Schwerpunkt auf der Ästhetik oder der Wissenschaft?

Der Widerspruch reizt mich: Auf den ersten Blick sind die Bilder sehr ansprechend. Betrachtet man sie genauer und erkennt, was dahinter steckt, erschrickt man.

Warum ausgerechnet Wasser?

2015 endet die von den Vereinten Nationen ausgerufene Dekade "Wasser für das Leben" – ob Trinkwasser, Hochwasserschutz, Energiegewinnung oder der Einsatz in der Landwirtschaft.

Welche von Menschen verursachten "Narben" sieht man?

Die Aquakulturen in China nehmen unglaubliche Dimension an. Oder Grasberg in Papua-Neuguinea, die weltgrößte Goldmine. Es muss ein irrer Aufwand gewesen sein, die Maschinen auf 4000 Meter Seehöhe zu schleppen. Gold wird dort chemisch aus dem Gestein gelöst, schlammige Abwässer werden über einen Fluss ins Tal antransportiert. Die Bevölkerung leidet. Wir wollen nicht schockieren, aber die Schönheit und Verwundbarkeit der Erde zeigen und die Leser zu einem schonungsvollen Umgang anregen.

Verletztliches Blau Nach Angaben der Vereinten Nationen wird erwartet, dass der Verbrauch von Wasser bis 2030 um weitere 40 Prozent zunehmen wird. Zum Beispiel für Anbauflächen in der Wüste. Nördlich der Stadt Hail in Saudi-Arabien wurden die fossilen Grundwasservorkommen geplündert. Die Versalzung der Böden, eine Folge der intensiven Bewässerung, soll durch die Auswahl salz-toleranter Kulturen in den Griff bekommen werden.

Zum Buch Markus Eisl, Gerald Mansberger, Paul Schreilechner: Wasser. Entdeckung des Blauen Planeten. Frederking & Thaler/GEO. 60,70€

Link Zur eoVision-Website

Termin Ausstellung "Human Footprint", bis 8. März 2015, Naturhistorisches Museum Wien, in Kooperation mit eoVision

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