Leben
20.12.2018

Warum zu Weihnachten geräuchert wird

Advent-Rituale Teil 20: Mit der „Thomasnacht“, der längsten Nacht des Jahres, beginnen die Raunächte.

Ist die heutige Nacht vorüber, werden die Tage wieder länger. Zuvor steht uns aber noch die Wintersonnenwende und die längste Nacht des Jahres bevor. Diese ist zugleich der Beginn der Raunächte, die bis zum 5. Jänner andauern (die Sonn- und Feiertage ausgenommen). Diese Zeit gilt im Volksglauben als besonders mythisch, mit zahlreichen Bräuchen und Orakeln.

Natürliche Phänomene wurden anders gedeutet

Warum gerade sie mit so viel Bedeutung aufgeladen wurde, lässt sich heute erklären, sagt Nora Witzmann vom Volkskundemuseum in Wien. „Am Land fiel weniger Arbeit an, die Menschen hatten mehr Zeit.“ Heute, in einer hektischen und lichtüberfluteten Vorweihnachtszeit, ist es kaum mehr vorstellbar, dass natürliche Phänomene anders interpretiert wurden.

Ängste und Dunkelheit

Winterstürme konnten in einer Zeit ohne viel natürliches und künstliches Licht große Ängste hervorrufen, sagt Witzmann. Vor denen galt es sich einerseits zu schützen, etwa durch das Räuchern mit Weihrauch oder anderen Kräutern und Ritualen. Andererseits offenbarten sie, so der Volksglaube, auch einen Blick in die Zukunft. „Viele dieser Orakelbräuche haben sich heute ganz auf Silvester und Neujahr verschoben.“

Orakel in der längsten Nacht

Als Orakelnacht galt über Jahrhunderte etwa die „Thomasnacht“. Witzmann erklärt, warum: „Die dunkle Jahreszeit war eine Zeit des Übergangs. Die Menschen wollten wissen, was auf sie zukommt. Üblich war etwa mancherorts, Pantoffel zu werfen. Zeigte die Spitze zur Tür, durfte mit einer Heirat gerechnet werden. Der Zukünftige konnte Unverheirateten auch im Traum erscheinen. Und unter mehreren Hüten wurden symbolische Gegenstände versteckt.

"Ungläubiger Thomas"

Ihren Namen hat die Nacht vom 20. auf 21. Dezember vom heiligen Apostel Thomas. Dieser hatte den 21. Dezember als Namenstag zugeteilt bekommen. Er hatte als letzter von Jesu Jüngern dessen Auferstehung nicht glauben wollen, hatte also als „ungläubiger Thomas“ am längsten in der Dunkelheit verharrt. 1970 (Liturgiereform) verlegte die katholische Kirche seinen Namenstag auf den 3. Juli.

Beginn der Raunächte

Die Thomasnacht ist auch die erste der zwölf Raunächte, die mit vielen Ge- und Verboten ausgestattet sind. Regional sind die Bräuche unterschiedlich, vor allem findet man sie im voralpinen und alpinen Bereich.

Man war bestrebt, böse Geister – „Die Wilde Jagd“ – milde zu stimmen und von Haus und Hof fern zu halten. Etwa sollte alles aufgeräumt und sauber sein.

Das traditionelle weihnachtliche Ausräuchern, das heute in vielen Haushalten wieder durchgeführt wird, sollte Unheil abwehren. Vermutlich gab es dafür aber auch hygienische Gründe. Für Volkskundlerin Witzmann ist die wichtigste Bedeutung der Raunächte, die Weihnachtszeit zu markieren. „Danach hat man die strenge Zeit überstanden, alles wird wieder etwas lockerer.“