Von einem Jahresvertrag in den nächsten

Foto: Julia Schrenk

Selbst der IT-Profi Manuel Hahn fiel auf klassische Internet-Abzocke herein.

Falsche Wohnungsinserate, klassische Abo-Abzocke, dreiste Phishing-Mails. Darauf fallen nicht - wie vielleicht angenommen - vor allem Menschen herein, die sich mit dem Internet nicht sonderlich auseinandersetzen. Auch die, die sich im Netz eigentlich sehr gut zurechtfinden, tappen in die Falle. Einer von ihnen ist Manuel Hahn, 22 Jahre, Student und Absolvent der HTL für Informationstechnologie. Eigentlich einer, der sich auskennt.

Beim Download von Cocktail-Rezepten für eine Party hat er unbemerkt einen Zwei-Jahres-Vertrag um 120 Euro abgeschlossen. Nicht wenig Geld für einen Studenten. Nach einem Monat kam die Rechnung: "Ich war verwundert, hab aber die Rechnung einmal nicht gezahlt", erzählt Hahn. Einige Wochen später flattert die Mahnung ins Haus: "Ich habe die Firma dann gegoogelt und sofort gemerkt, dass da etwas nicht mit rechten Dinge zugeht."

"Der nächste Wahnsinn"

In Foren vernetzten sich bereits zahlreiche andere Opfer, die auf die gleiche Weise abgezockt wurden. Hahn wendet sich an einen privaten Konsumentenschutzverein und muss dort den nächsten Jahresvertrag abschließen: 92 Euro plus 30 Euro Ersteinschreibegebühr. Zu zahlen sind also 122 Euro - um aus einem 120-Euro-Vertrag rausgeboxt zu werden. "Das ist eigentlich der nächste Wahnsinn. Die Einschreibegebühr wird Studenten zwar erlassen, aber man hängt im nächsten Vertrag drin", ärgert sich der Student. 28 Euro konnte er sich durch den Beitritt zum Verein ersparen. Die Abzocker-Firma ist nicht mehr online.

Andreas Herrmann vom Europäischen Verbraucherzentrum kennt diese Fälle: "Das ist die klassische Internet-Abzocke". Der einfachste Weg, ungewollte Abos wieder loszuwerden, ist, der jeweiligen Firma eine Rücktrittserklärung zu schicken. Ab diesem Zeitpunkt heißt es dann: standhaft bleiben, nichts zahlen. "Erst wenn man Post von einem österreichischen Gericht bekommt, wird es kritisch."

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